Wirtschaft : CeBIT 2001: Für die Computer-Hersteller ist die Durststrecke noch lang

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Die Hersteller von Computern sind durchaus Kummer gewöhnt. Rückschläge in diesem schnelllebigen Geschäfts gab es immer wieder. So sind viele bekannte Namen aus der Hardwarebranche wieder verschwunden: Commodore, Prime, Wang, Tandy und Nixdorf. Doch die gegenwärtige Krise stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. "So eine dramatische und überraschende Wende habe ich noch nie erlebt", wundert sich Ed Zander, der Präsident von Sun Microsystems. "Ich habe noch nie etwas vergleichbar Hysterisches und Schnelles gesehen, das praktisch über Nacht - vom 30. November zum 1. Dezember - alles veränderte. Ein Finanzchef nach dem anderen drehte plötzlich den Geldhahn ab." Massenentlassungen und dramatisch fallende Aktienkurse sind die Folge. Ausgerechnet die Einschätzung von John Chambers, dem Chef des Netzwerkherstellers Cisco, belastet die Stimmung an den Märkten zusätzlich: "Der Rückgang der Investitionsausgaben in den USA droht, auf andere Teile der Welt überzuspringen." Zugleich schwindet die Hoffnung, dass der Abschwung in der Branche bis zum Sommer ausgestanden sein. Chambers fürchtet, dass die Talfahrt im zweiten Halbjahr weitergeht: "Die Chancen stehen 50 zu 50." Auch in Europa wird man langsam nervös. Willi Berchtold, Vizepräsident des deutschen Branchendachverbandes Bitkom, sieht bereits "erste Gewitterwolken" aufziehen.

Praktisch keinem Unternehmen der Hardwarebranche bleibt es erspart, die Kosten zu senken. Tausende von Beschäftigten bei Chipherstellern, Netzausrüstern und Computerherstellern verlieren in den USA ihre Jobs. Internet-Ausrüster Cisco will 8000 Stellen abbauen, Intel plant, 5000 Mitarbeiter zu entlassen, und besinnt sich zugleich auf sein Kerngeschäft - die Herstellung von Chips. Der weltgrößte Produzent von Halbleitern will mit leistungsfähigeren Produkten neue Kunden gewinnen. Computerhersteller Compaq wird 500 Millionen Dollar einsparen und rund 5000 Stellen streichen. Die Maßnahmen gelten als notwendig, damit die Aktienkurse der Technologiewerte nicht noch weiter in den Keller rutschen.

Nicht alle Manager der Technologietitanen sehen schwarz für die Zukunft. Michael Dell, Chef von Dell Computer, glaubt, dass das neue Betriebssystem Windows 2000 von Microsoft sowie das Nachfolge-System XP auch den Verkauf neuer Hardware ankurbeln werden: "Mehr und mehr Unternehmen steigen auf Windows 2000 um. Dadurch wird auch die Akzeptanz von Systemen mit dem neuen Pentium-4-Chip steigen." Gleichzeitig vertraut Dell auf neue drahtlose Netzwerk-Technologien: "Diese Technik wird ein Katalysator sein, der die Leute zum Umstieg vom fest installierten Computer auf mobile Computer bewegt."

Auch Sun-Chef Zander bleibt zuversichtlich: "Wir müssen die Ursachen für den Umschwung ermitteln und beseitigen. Ich meine damit Zinssätze, Energie und mangelndes Vertrauen der Konsumenten."

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