• CeBIT 2001: Kraftprobe für die High-Tech-Branche: Absagen, Börsencrash und Konjunkturflaute überschatten die Leistungsschau

Wirtschaft : CeBIT 2001: Kraftprobe für die High-Tech-Branche: Absagen, Börsencrash und Konjunkturflaute überschatten die Leistungsschau

Corinna Visser

Am Donnerstag ist es wieder so weit, dann öffnet die Leistungsschau der Informationstechnik, Telekommunikation und Software in Hannover ihre Tore. Mit 8015 Ausstellern aus 60 Ländern ist die Cebit die größte Messe der Welt. Im vergangenen Jahr kamen 782 000 Besucher, und in diesem Jahr rechnet die Deutsche Messe AG ebenfalls mit mehr als 750 000 Besuchern. Doch auch wenn die Informations- und Telekommunikationsindustrie (ITK) zu den stärksten Wachstumsbranchen zählt, kamen gerade aus dieser Branche zuletzt nur schlechte Nachrichten. Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten hat sich merklich eingetrübt. In den vergangenen Monaten gab ein High-Tech-Unternehmen nach dem anderen Gewinn- und Umsatzwarnungen heraus, viele kündigten Entlassungen an. Die Aktienkurse kennen nur eine Richtung: abwärts.

"Wir haben die Turbulenzen in der Informations- und Telekommunikationsbranche auch gemerkt", sagte Hubert Lange von der Deutschen Messe AG. "Es gab deutlich mehr Absagen als in den vergangenen Jahren." Normalerweise liege die Fluktuation bei rund vier Prozent, was bei etwa 8000 Ausstellern rund 300 Absagen entspreche. In diesem Jahr liege der Anteil näher an fünf Prozent. Immerhin stünden aber noch mehr als 200 Unternehmen auf der Warteliste.

"Die Stimmung ist noch gut", sagte Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Aber man müsse die Situation realistisch sehen. "Es bereitet schon Kopfzerbrechen, wenn es in den USA nicht mehr so läuft wie im vergangenen Jahr." 240 Milliarden Mark setzte die Branche im Jahr 2000 in Deutschland um. Für 2001 erwartet der Bitkom ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Mit einer Wachstumsrate deutlich im zweistelligen Bereich werde die Softwareindustrie dabei am stärksten zulegen.

Die Telekommunikation wird sich in den kommenden Jahren nach Schätzungen des European Information Technology Observatory (EITO) europaweit abschwächen, sagt Willi Berchtold, Vizepräsident des Bitkom. 2000 wuchs der Markt um 14,3 Prozent - und damit deutlich stärker als erwartet. 2001 soll in Europa eine Steigerung von elf Prozent auf 322 Milliarden Euro erreicht werden. Für 2002 wird nur noch ein Wachstum von sieben Prozent erwartet.

Der gesamte westeuropäische Markt für Informationstechnik und Telekommunikation wächst jedoch nach Berechnungen des EITO weiter deutlich über Weltniveau. Mit einem Zuwachs von 13 Prozent habe Europa die USA (8,2 Prozent) und Japan (6,7 Prozent) im vergangenen Jahr hinter sich gelassen. Im Jahr 2001 werde der europäische Markt um elf Prozent auf 597 Milliarden Euro steigen. Berchtold sagte, das Wachstum werde getragen von der Nachfrage nach Software und Anwendungen im Umfeld von Mobile Business. In Westeuropa habe Deutschland mit 13 Prozent des Marktes den größten Anteil. "Von Deutschland aus wird ein wichtiger Impuls für den Weltmarkt ausgehen", sagt Berchtold. Weltweit rechnet das EITO nur mit einem Anstieg um 9,6 Prozent auf 2,2 Billionen Euro.

Auf der Cebit 2000 war E-Business, der elektronische Geschäftsverkehr, das große Thema. In diesem Jahr wird das E-Business zum M-Business, es wird mobil. Nach dem Fehlstart mit den mageren Wap-Diensten im vergangenen Jahr, die das Handy erstmals internetfähig machten, nimmt die Telekommunikationsbranche einen neuen Anlauf für den Sprung ins mobile Multimedia-Zeitalter. Und die Telekommunikationskonzerne müssen sich anstrengen. Immerhin haben sie im vergangenen Jahr allein in Deutschland knapp 100 Milliarden Mark für die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS ausgegeben. Auf der Cebit werden sie nun die ersten Anwendungsbeispiele zeigen, die die Kunden ab dem Jahr 2002 in die neuen UMTS-Netze locken sollen.

Mobilcom will die Besucher mit einem Taschencomputer als persönlichem Assistenten ausstatten und durch einen Parcours führen, der in die Welt der neuen Multimediamobilfunk-Dienste einführt: Einkaufen und Bezahlen mit dem Handy, die mobile übertragung von Bildern und Videos, Spiele und Entertainment. Allerdings werden die hier gezeigten Anwendungen noch nicht über UMTS laufen. Die Installation eines UMTS-Senders auf der Messe wäre zu aufwändig gewesen, heißt es bei Mobilcom.

Auch UMTS-Handys werden die Besucher auf der Messe nur als Designstudien oder Prototypen zu sehen bekommen. Fertige Endgeräte gibt es noch nicht. Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia will UMTS-Geräte erst im dritten Quartal 2002 auf den Markt bringen, Siemens ebenso. Beide Hersteller werden jedoch Geräte für die Übertragungstechnik GPRS präsentieren. GPRS gibt einen Vorgeschmack auf UMTS, weil es Daten bereits wesentlich schneller überträgt.

Mit den neuen Anwendungen wird sich auch das Aussehen der künftigen Mobiltelefone verändern. Wohin die Reise geht, zeigen die Personal Digital Assistants (PDA) von Herstellern wie Palm. Heute noch elektronische Notizbücher und Kalender ohne Internet-Anschluss, werden auch sie zunehmend online gehen und mit dem Handy verschmelzen. Als erster Hersteller hat Mitsubishi das Konzept umgesetzt. Das noch nicht käufliche Trium "Mondo" ist das erste GPRS-Gerät, dessen gesamte Oberfläche aus einem LCD-Display besteht. Auch die Eingabe erfolgt über den Bildschirm.

Die Telekom-Konzerne dürften auf großes Interesse stoßen: Die Deutschen denken positiv über die Entwicklung der Informations- und Telekommunikationstechnik. So lautet das Ergebnis einer Studie des Verbands der Elektrotechnik (VDE) zur Technikakzeptanz. Die Zustimmung sei seit 1998 von 45 auf jetzt 53 Prozent gestiegen. Dennoch können sich nur 30 Prozent der Befragten etwas unter UMTS vorstellen, stellte der VDE fest. Es gibt also noch viel zu tun.

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