Cebit : Die französische Eröffnung

Die weltweit größte Computermesse öffnet ihre Pforten: Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy geben den Startschuss für die Cebit 2008.

Corinna Visser

Hannover Gute Bekannte, die sich über ein Wiedersehen nach langer Zeit freuen, sehen anders aus. Seite an Seite sitzen Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Angela Merkel am Montagabend in Hannovers Kongresshalle. Es ist die feierliche Eröffnung der Cebit, der weltgrößten Computermesse. Die Kongresshalle ist gut gefüllt. Beide Politiker hören zu, wie Microsoft-Chef Steve Ballmer seine Vision von der fünften Revolution des Computerzeitalters vorstellt. Das ist das Zeitalter, in dem der Computer lernt, den Menschen zu verstehen – und nicht umgekehrt. Steif sitzen Merkel und Sarkozy in der ersten Reihe. Auch wenn später am Abend der Streit um die Mittelmeerunion beigelegt werden kann und sich beide auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur künftigen Auto- und Klimapolitik einigen – nur selten tuscheln beide miteinander, lächeln nur kurz.

Es ist das erste Treffen von Merkel und Sarkozy seit langer Zeit. Eine informelle Gipfelrunde, die am Montag stattfinden sollte, sagte Sarkozy ab. Die zweite Absage in kurzer Zeit. Viel wurde berichtet über das schlechte Verhältnis zwischen Merkel und Sarkozy. Doch 2008 ist Frankreich Partnerland der Cebit. Da sei es ihm ein Anliegen, persönlich zu erscheinen, sagt Sarkozy bei seiner Ansprache.

Sarkozy spricht nicht viel über Technik, nur so viel, dass die nächste Computerrevolution eine im Sinne der Menschen sein müsse. Er spricht viel mehr über das deutsch-französische Verhältnis. Er wendet sich an die anwesenden Vertreter der deutschen Industrie. „Ich gedenke die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich voranzutreiben“, ruft er mit erhobener Hand. Nicht immer klappe die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft gut, räumt er ein. Doch dass es auch anders geht, zeige der milliardenschwere Auftrag, den der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gerade in den USA ergattert hat. Auch darüber, wer die Kontrolle bei EADS haben soll, hatte es im vergangenen Jahr Streit zwischen Deutschland und Frankreich gegeben. Sarkozy betont an diesem Abend das Verbindende. Deutschland und Frankreich müssten sich zusammen in den Dienst des europäischen Projektes stellen, sagt er. „Europa kann sich keine Kluft leisten zwischen Deutschland und Frankreich.“

„Ich danke Dir für Deine Rede“, sagt Merkel und gibt Sarkozy recht. „Europa ist komplizierter geworden.“ Doch auf das, was Sarkozy sagt, geht sie kaum ein. Das kann warten bis zum Abendessen, das die beiden im Anschluss geplant hatten. In der alternden Gesellschaft Europas sei es wichtig, dass die Politik dafür eintrete, die Neugierde und Aufmerksamkeit für neue Entwicklungen zu fördern, um im Wettbewerb mit den anderen Nationen zu bestehen. Deutschlands Chance liege darin, die Informationstechnik mit den starken Branchen wie etwa Automobilbau zu verbinden. Doch sie warnte auch: „Seid begeistert über die Technik. Doch zum Schluss hat sie dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. In diesem Sinne ist die Cebit eröffnet.“

5845 Aussteller aus 77 Ländern zeigen bis zum Wochenende, was in der digitalen Industrie Stand der Technik ist. Deutschland müsse sich mehr anstrengen, um in der Informationstechnik eine weltweit führende Rolle zu spielen, warnt August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbands Bitkom. „Wir sind Exportweltmeister, das gilt aber leider nicht für unsere Industrie.“ Deutschland dürfe aber in dieser Schlüsselbranche nicht nur ein starker Absatzmarkt, sondern müsse auch Entwicklungs- und Produktionsstandort sein. In Anspielung auf das Bochumer Handywerk, das Nokia schließen will, sagte Scheer: Es sei besser vorher in den Standort zu investieren, „als nachher sein Handy wegzuschmeißen, wenn es zu spät ist“. Der Politik legt Scheer ein Fünf-Punkte-Programm vor. Darin fordert er unter anderem die Aufstellung einer Gründungs- und Wachstumsstrategie für das Land, die sicherstelle, dass gute Ideen auch in erfolgreiche Produkte umgesetzt würden. Junge Gründer gebe es genug, auch Technologiezentren, mit denen sich Lokalpolitiker schmücken könnten. Zu internationalem Erfolg brächte es aber kaum eine dieser jungen Firmen. „Die meisten unserer erfolgreichen Unternehmen sind alt.“ Im vergangenen Jahr ist die deutsche ITK-Branche, zu der der Verband auch die digitale Unterhaltungselektronik zählt, mit zwei Prozent auf 143 Milliarden Euro stärker gewachsen als ursprünglich prognostiziert. Die Branche beschäftigt 816 000 Menschen, 300 mehr als vor Jahresfrist.

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