Wirtschaft : CeBIT-Firmen melden Nachwuchssorgen

Computerbranche bildet zu wenig aus / Umsatzeinbußen die Folge / Dennoch Goldgräberstimmung HANNOVER (dpa/dw).Mit großem Optimismus blicken die Organisatoren der CeBIT 98 der weltgrößen Computer- und Telekommunikationsmesse in Hannover entgegen.Angesichts des weltweit anhaltenden Wachstum dieser Branchen herrsche immer noch "eine Goldgräberstimmung", sagte der Vorsitzende des CeBIT-Messeausschusses, Jörn Peter Stielow, am Dienstag in Hannover.Im vergangenen Jahr habe sich die Branche auch in Deutschland besser entwickelt, als erwartet: Der Gesamtumsatz der Computer- und Telekommunikationsunternehmen habe sich um 5,9 Prozent auf rund 85,8 Mill.Ecu gesteigert.In diesem Jahr soll der inländische Markt mit rund sechs Prozent noch schneller wachsen.Die CeBIT 98 soll vom Donnerstag kommender Woche an sieben Tage lang wieder rund 600 000 Fachbesucher aus aller Welt anlocken.Sorgen bereitet den Unternehmen in Deutschland der Nachwuchsmangel.Dadurch hätten die deutschen Unternehmen ein bis zwei Prozentpunkte weniger Wachstum, sagte Stielow.Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Informationstechnik im VDMA und ZVEI.Er warf der Bundesanstalt für Arbeit vor, bei der Berufsberatung von Schulabgängern die Weichen falsch zu stellen.Es könne doch nicht sein, daß zuviele junge Menschen Jura oder Medizin studierten und dann hinterher keinen Job bekämen, wenn zugleich in der Computer- und Telekommunikationsbranche ein großer Mangel an Fachkräften herrsche.Es handele sich immerhin um den wohl weltweit am stärksten wachsenden Wirtschaftszweig.Stielow räumte ein, daß auch die Unternehmen selbst mehr für die Nachwuchsförderung tun müßten.Die Bundesanstalt für Arbeit wies die Vorwürfe zurück.Es werde entsprechend der Markterfodernisse beraten, sagte BA-Sprecher Eberhard Mann.Allerdings habe man keinen Einfluß darauf, für welche Ausbildung sich die jungen Leute letztlich entscheiden: "Berufsberatung ist keine Berufslenkung." Die Verantwortung für die Heranbildung der Nachwuchskräfte liege zuerst bei den Unternehmen und den Branchenverbänden selbst.Nach BA-Zahlen, die dem Tagesspiegel vorliegen, hat die Bundesanstalt zumindest im Bereich Umschulung und berufliche Weiterbildung tatsächlich ein besonderes Schwergewicht auf Datenverarbeitungsberufe gelegt: Im vergangenen Jahr zielten mehr als elf Prozent aller Weiterbildungsmaßnahmen der Arbeitsämter auf Computer-Berufe ab.In den alten Bundesländern hatten sich demnach 25 628 Menschen beruflich zum Datenverarbeitungs-Fachmann weitergebildet.Damit liegt dieser Bereich in der Förderung an der Spitze: Nur Weiterbildungen zur Bürofachkraft wurden noch stärker von den Arbeitsämtern gefördert.Die Messe-Organisatoren stimmte am Dienstag immerhin positiv, daß Europa in der Informations- und Kommunikationstechnik zu den USA aufschließt.Das jährliche Wachstum des europäischen Marktes liege seit mehreren Jahren stabil zwischen 7,0 und 8,5 Prozent, sagte Stielow.Weltweit verbuche die Informations- und Telekommunikation jährlich ein Wachstum von 200 Mrd.DM auf ein Volumen von 2,24 Billionen DM im vergangenen Jahr.Hinter einem Absatzvolumen von 200 Mrd.DM steckten nach Expertenberechnungen rund 600 000 neue Arbeitsplätze.Bei der CeBIT 98 vom 19.bis 25.März verbucht die Deutsche Messe AG mit 7250 Ausstellern - knapp 350 mehr als 1997 - einen Rekord.Fast 40 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland.Größtes ausländisches Ausstellerland mit mehr als 500 Teilnehmern ist erstmals Taiwan, das die USA auf den zweiten Rang verwiesen hat.350 Aussteller wurden abgewiesen.

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