Wirtschaft : Cebit Home kann sich nicht durchsetzen

HANNOVER (AFP).Vor zwei Jahren präsentierte die Deutsche Messe AG in Hannover stolz ihr neuestes Kind: Die Cebit Home.Sie sollte alle zwei Jahre zusammenführen, was im Multimediazeitalter zusammenzuwachsen scheint - die Computerbranche und die Unterhaltungselektronik.Doch jetzt rutscht die digitale Konsumentenmesse ungeachtet des Messeslogans "Take it easy" in ein Tief.Fast die gesamte Audio- und Videobranche kehrt dem Standort Hannover enttäuscht den Rücken.Sony und Loewe Opta sind die einzigen namhaften Hersteller außerhalb der Computerbranche, die zwischen dem 26.und 30.August antreten, den Ruf der Multimediamesse zu retten.

In der Grundig-Unternehmenszentrale in Fürth wundert sich niemand über diesen Trend.Mit seinen zweistelligen Millionenverlusten ist Grundig ein gutes Beispiel für die Lage der Unterhaltungselektronik insgesamt.Mit Umsatzeinbrüchen bis zu 15,3 Prozent im hochwertigen HiFi-Sektor bewegt sich die Branche auf einer schmerzlichen Rüttelpiste."Wir haben keine leichte Zeit hinter uns", sagt der stellvertretende Grundig-Sprecher Roland Stehle, "wir müssen mit sehr spitzem Bleistift rechnen".Selbst die Präsentation des Grundig-Vorzeigeprojekts Digital Audio Broadcast (DAB), das von Landesmedienanstalten vorangetrieben wird und in absehbarer Zeit die Ultrakurzwelle (UKW) ablösen soll, wird auf eine Pressekonferenz beschränkt."Die Cebit Home ist anders als die Berliner Funkausstellung keine Ordermesse", sagt Stehle, "Aufwand und Ergebnis rechnen sich nicht, die Kosten sind zu hoch".

Marketing-Experten haben entdeckt, daß die Erwartungen der Verbraucher im Bereich Audio/Video und im Computersektor weitgehend unvereinbar miteinander sind.Auch die Innovationsgeschwindigkeiten sind unterschiedlich.Während am Computermarkt alle drei Monate eine neue Prozessorgeneration entwickelt und verkauft wird, heißen wesentliche Verkaufsargumente bei der Unterhaltungselektronik Langlebigkeit und Zuverlässigkeit."Die Kunden lassen sich anders als Computerfreaks keine Technologien aufdrängen", mußte nicht nur Grundig schmerzlich lernen."Meldungen über Speicherprobleme und Systemabstürze könnten wir unseren Kunden nicht vermitteln."

Ulrich Koch, Sprecher der Messe AG Hannover, hofft, daß der Trend "noch keine endgültige Entscheidung gegen Hannover und für die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin" ist.Jochen Wiesinger, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), sieht in der Entwicklung dagegen eine Stärkung der in ungeraden Jahren stattfindenden IFA.Sie wird von der gfu veranstaltet."Die deutschen Niederlassungen können ihren Firmenzentralen im Ausland kaum begründen, weshalb sie zweimal im Jahr nach Hannover gehen sollen" - im Frühjahr zur Profi-Cebit und dann noch einmal zur Cebit Home.

Für die IFA 1999 deutet sich im Audiobereich ein Silberstreif am Horizont an: Die schon totgeglaubte MiniDisc (MD), ein digitales Aufnahmemedium, entwickelt sich zum Renner.In diesem Jahr sollen rund 250 Millionen Mark mit MD umgesetzt werden.

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