Wirtschaft : Cebit: Telekom und ZDF sind Partner im Internet

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Das ZDF wird sein Nachrichtenangebot im Internet künftig exklusiv über T-Online anbieten. T-Online-Chef Thomas Holtrop und ZDF-Intendant Dieter Stolte unterzeichneten dazu am Dienstag in Hannover einen Vorvertrag. Damit endet die bisherige Zusammenarbeit des ZDF mit dem Softwarekonzern Microsoft (MSN) und dem Fernsehsender NBC. Der Start des neuen Angebots "heute.t-online.de" ist auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin im August diesen Jahres geplant.

Holtrop sagte zwei Tage vor Beginn der Computermesse Cebit in Hannover, dass sich mit der exklusiven Bindung an das ZDF im Bereich Nachrichten nichts an der T-Online-Strategie ändere, offen für verschiedene Anbieter zu sein. "Wir gehen mit einem Partner einen Weg, aber nicht alle Wege." Allerdings schließe die Zusammenarbeit mit dem ZDF aus, dass es etwa "tagesschau.t-online.de" geben werde. Vor wenigen Tagen hatte Holtrop angekündigt, aus dem Online-Dienst der Telekom ein führendes Internet-Medienhaus zu machen.

Als Grund für den Partnerwechsel von Microsoft zu T-Online nannte Stolte, dass das Modell ZDF.MSNBC keine Zukunft gehabt habe, da es von Anfang an auf Werbeerlösen basierte. Vom kommenden Jahr an dürfe das ZDF nach dem 4. Rundfunkänderungs-Staatsvertrag im Internet aber keine Werbung oder Sponsoring mehr anbieten. Auf den Seiten von heute.t-online.de werde es daher keine Werbebanner geben. Die Partnerschaft mit T-Online basiere auf einem Lizenzvertrag, sagte Stolte. "T-Online kann gegen Erstattung eines Betrages das Angebot der heute-Familie nutzen." Zur Höhe des Beitrages wollten sich weder Stolte noch Holtrop äußern. Für das ZDF sei das Geschäft kostendeckend, sagte Stolte weiter. Es würden keine Rundfunkgebühren aufgewendet, aber auch keine Erlöse erzielt.

Telekom-Chef Ron Sommer nannte die Zusammenarbeit mit dem ZDF "die erste ganz große strategische Content-Partnerschaft - weitere werden folgen." Sommer nutzte die Gelegenheit, um die zunehmende öffentliche Kritik wegen einer angeblichen fehlerhaften Bewertung des Telekom-Immobilienbesitzes erneut scharf zurückzuweisen. "Wir haben in der Vergangenheit die Bilanzen stets gewissenhaft und richtig, unter Beachtung aller rechtlichen Vorgaben aufgestellt", sagte Sommer. Die Staatsanwaltschaft überprüft das derzeit. "Die jetzt in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe sprechen unserem Streben nach Bilanzehrlichkeit und richtiger Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse dieses Konzernes Hohn." Vor einigen Wochen hatte die Telekom ihren gesamten Immobilienbestand um knapp vier Milliarden Mark auf 30 Milliarden nach unten korrigiert. Kritiker warfen dem Vorstand vor, schon seit längerem von Überbewertung gewusst zu haben. Gegen Sommer und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Sihler stellten einige T-Aktionäre Strafanzeige. Die Telekom begründete die Neubewertung mit dem Plan, einen Teil der Grundstücke und Gebäude schneller zu verkaufen als bisher geplant.

Die schlechte Entwicklung der T-Aktie kommentierte Sommer mit den Worten: "Wir haben ein Markt-Problem - kein Telekom-Problem." Der Telekom sei es allerdings nicht gelungen, sich von der allgemeinen negativen Marktentwicklung der Technologiewerte abzukoppeln. Dies relativiere die aktuelle Einschätzung gegenüber der T-Aktie. "Dennoch müssen wir mit der Kursentwicklung unzufrieden sein, allein schon weil wir viel besser aufgestellt sind als andere in unserer Branche", sagte Sommer.

Sommer kündigte in Hannover außerdem den Start des Portals T-Info auf der Cebit an. Das Auskunfts- und Informationsportal T-Info basiert auf den Gelben Seiten. Als weitere Neuheit präsentierte der Telekom-Chef ein mobiles Internet-Terminal für den schnurlosen Internet-Zugang über ISDN oder T-DSL. Das T-Sinus-Pad ermögliche uneingeschränktes, unkompliziertes mobiles Surfen von jedem Ort in Haus und Garten. Bis zum Jahresende will die Telekom mindestens 2,5 Millionen Kunden mit einem Internetzugang DSL ausrüsten. Bisher wurden 400 000 Anschlüsse eingerichtet, weitere 450 000 seien bereits verkauft.

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