Wirtschaft : Centrotherm meldet Insolvenz an

Blaubeuren - Die Pleitewelle in der deutschen Solarbranche erreicht die Zulieferer. Mit dem Maschinenbauer Centrotherm hat der erste auf die Solarindustrie spezialisierte Maschinenbauer Insolvenz angemeldet. Doch das in Finanznot geratene Unternehmen will das Ruder selbst in der Hand behalten.

Beim Amtsgericht Ulm wurde ein Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, wie die Firma aus Blaubeuren in der Nacht zu Mittwoch mitteilte. Zudem will Centrotherm die erst seit März geltende Möglichkeit zur einfacheren Sanierung von Unternehmen nutzen. Mit dem sogenannten Schutzschirmverfahren will sich Centrotherm für drei Monate vor den Forderungen seiner Gläubiger schützen und sich unter eigener Führung sanieren. Nun liegt der Ball beim Amtsgericht. Wenn es die Anträge nicht genehmigt, könnte ein Insolvenzverwalter eingesetzt werden.

Centrotherm hat einen massiven Markteinbruch zu verkraften. Laut Insidern brachen vor allem Aufträge aus Asien weg. Schon vor einem Monat war das Unternehmen in massive Finanzierungsprobleme geraten, weil Kreditversicherer Warenlieferungen an die Firma nicht mehr weiter versichern wollten. Zum Jahresauftakt war Centrotherm in die roten Zahlen gerutscht. Centrotherm betonte, dass das Geschäft weiterlaufe. „Da wir weiterhin zahlungsfähig sind, können wir sowohl Kundenaufträge planmäßig abarbeiten, wie auch unsere Lieferanten bezahlen“, hieß es. Verbindlichkeiten aus der Zeit vor dem Antrag würden während des Schutzschirmverfahrens aber nicht beglichen. Aus dem Bericht des zum Ende März abgelaufenen ersten Quartals ist zu entnehmen, dass das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt kurzfristige Schulden in Höhe von 271 Millionen Euro hatte. Dem standen frei verfügbare Zahlungsmittel in Höhe von knapp 90 Millionen Euro gegenüber.

Offen blieb zunächst, wie ein Sanierungskonzept und somit eine Lösung für die Gläubiger aussehen soll. Nach Ansicht von Insidern könnte etwa – wie schon in anderen Fällen in der Solarbranche – eine Umwandlung von Gläubigeransprüchen in Aktien eine Möglichkeit sein. dpa

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