Wirtschaft : Cerberus kauft Berliner Häuser

US-Investor übernimmt 23000 Wohnungen, 5900 davon in der Hauptstadt

Ralf Schönball

Berlin - Der US-Finanzinvestor Cerberus erwirbt erneut Wohnungen in Deutschland. Cerberus kauft die Firma Baubecon. Das Unternehmen beschäftigt 600 Mitarbeiter, besitzt rund 20000 Wohnungen und ähnlich viele Gewerbeimmobilien. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. In Branchenkreisen ist von 900 Millionen Euro die Rede. Die Baubecon ist die Immobilientochter der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG). Die BGAG trennte sich im Zuge dieses Geschäfts außerdem von weiteren 2850 Wohnungen. Auch diese Objekte übernahm Cerberus.

Cerberus – der Name stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet den mit drei Köpfen ausgestatteten Höllenhund – ist in Berlin bestens bekannt: Cerberus übernahm vor gut einem Jahr die Berliner „Gewerbesiedlungsgesellschaft“ aus dem Eigentum des Landes. Mit der GSW wechselten 66000 Wohnungen zum Preis von 2,1 Milliarden Euro den Eigentümer. Auch die Baubecon ist vielen Berliner Wohnungsmietern als Grundeigentümer bekannt: Die Firma verwaltet über 7100 Wohnungen in der Hauptstadt, 5900 davon sind eigene Objekte. Das bekannteste Ensemble steht im Prenzlauer Berg, die Carl-Legien-Siedlung. Die von Bruno Taut entworfenen Wohnhäuser hatte die Baubecon für rund 49 Millionen Euro saniert. Insgesamt investierte die Firma in den vergangenen fünf Jahren 187 Millionen Euro in die Erhaltung der Substanz ihrer Berliner Bestände. Diese befinden sich in den Bezirken Mitte, Charlottenburg, Lichtenberg, Pankow, Tiergarten, Treptow und Weißensee.

Aus Cerberus-Kreisen ist zu hören, dass man den Zuschlag für die Baubecon auch aufgrund der Zugeständnisse an den Mieterschutz erhielt. Hier sollen ähnliche Vereinbarungen wie bei der Übernahme der GSW getroffen worden sein. Damit wäre eine Kündigung von Mietern wegen Eigenbedarfs dauerhaft ausgeschlossen. Luxusmodernisierungen wären nicht möglich und mietereigene Einbauten geschützt. Auch Mieterhöhungen müssten die neuen Eigentümer nur mit dem Mietspiegel begründen; eine Forderung höherer Preise durch den Nachweis von teuren Vergleichswohnungen in ähnlichen Lagen wäre nicht zulässig.

Der Berliner Mieterverein weist jedoch darauf hin, dass diese Vereinbarungen nur dann auch beim Weiterverkauf einzelner Wohnungen durch die Cerberus an Dritte wirksam bleiben, wenn die Mieter die Zusagen schriftlich als Ergänzungen zu ihren Mietverträgen erhalten.

Der Verkauf der Baubecon ist in diesem Jahr bereits das zweite große Geschäft, mit dem sich die Gewerkschaft von ihren Beteiligungsgesellschaften trennt: Zuvor war die Bausparkasse BHW veräußert worden. Bereits vor 15 Jahren beschlossen die Gewerkschaften, ihre Beteiligungen zu verkaufen.

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