Wirtschaft : Champagner-Terroristen

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Die Litanei der – dem allgemeinen Trend folgenden – Soziologen kennt man: Terroristen sind arm und verzweifelt, zu Gewaltakten werden sie getrieben durch Armut und Chancenlosigkeit. Nun, nein.

Mohamed Atta war natürlich ein Ägypter aus der Mittelschicht. Und jetzt kommt eine neue Studie des National Bureau of Economic Research in den USA daher, die keine Verbindung zwischen Armut und Terrorismus finden kann. Die Wirtschaftswissenschaftler Alan Krueger und Jitka Maleckova entdeckten, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Die libanesischen, palästinensischen und israelischen Terroristen, die sie untersucht haben, sind wohlhabender und besser ausgebildet als der Durchschnitt des Volkes, aus dem sie kommen.

Die Studie vergleicht 129 „Märtyrer“ der fundamentalistischen Hisbollah, die zwischen 1982 und 1994 starben, mit der libanesischen Bevölkerung, die in der gleichen Altersstufe war. Die Forscher fanden dabei heraus, dass „ein Lebensstandard, der über der Armutsgrenze liegt, und eine Bildung, die über die einfache Volksschule hinausgeht, positiv mit einem Engagement in der Hisbollah in Zusammenhang gebracht werden können".

Die Forscher finden ähnliche Muster auch bei palästinensischen Selbstmordattentätern und ebenfalls bei israelischen Siedlern, die in den frühen 80er Jahren Palästinenser im Westjordanland angegriffen haben (auch wenn die Wissenschaftler über diese weniger Informationen haben). Die Autoren untersuchen außerdem die Wirkungen von Schwankungen des Bruttosozialproduktes und finden keinen Hinweis darauf, dass es in wirtschaftlich harten Zeiten mehr Terrorismus gebe.

Die Studie zieht folgenden Schluss: „Es gibt wenig Anlass für die Hoffnung, eine Verringerung der Armut oder eine Verbesserung der Bildung würden zu einer spürbaren Abnahme des internationalen Terrorismus führen können – wenn nicht noch andere Veränderungen vorgenommen werden.“ Das dürfte Leute mit gesundem Menschenverstand kaum überraschen. Aber es ist ganz gut, harte Fakten in der Hand zu haben – für die Zeit, wenn wieder die Verfechter der „wirklichen Ursachen“ ankommen und mehr Geld haben wollen.

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