Wirtschaft : Chancen auch für Kleinanleger

HEIKE JAHBERG

Wer auf die richtigen Papiere setzt, kann mit dem Euro Geld verdienenVON HEIKE JAHBERG

Vom Euro profitieren nicht nur die Großen.Auch Kleinanleger konnten durchaus gute Geschäfte mit der geplanten Europa-Währung machen ­ vorausgesetzt, sie waren schnell genug.Denn wer rechtzeitig auf die richtigen Papiere gesetzt hat, kann mit einem warmen Geldregen rechnen, wenn der Euro kommt. Beispiel: Ecu-Anleihen.Anders als beim Euro, der strenge Teilnahmebedingungen für die Kandidaten aufstellt, sind im Ecu-Währungskorb auch schwache Währungen wie Peseta, Lira oder Drachme vertreten.Ausgeglichen wurde dieses Währungs-Risiko seinerzeit mit einer höheren Verzinsung der Ecu-Papiere.Wer damals zugeschlagen hat, kann sich heute freuen: Seit der Grundsatzentscheidung für den Euro ist der Ecu ein Auslaufmodell.Wenn der Euro da ist, werden die Ecu-Anleihen im Verhältnis 1 : 1 in Euro-Anleihen umgetauscht und in der deutlich stärkeren Währung zurückgezahlt.Wer vor der politischen Weichenstellung gekauft und so die Anlageweichen frühzeitig gestellt hat, profitiert also auf zweierlei Weise: Man erhält eine attraktive Verzinsung ­ ohne großes Wechselkursrisiko. Geld verdienen kann aber auch derjenige, der bei den Spekulationen darüber, wer beim Euro-Start mit von der Partie sein wird, auf das richtige Pferd setzt.Denn eines steht fest: An bestehenden Verträgen wird nicht gerüttelt.Das heißt: Die versprochenen Prozente für Anleihen werden auch nach der Euro-Einführung gezahlt.Wer etwa ein Papier in italienischer Lira mit einer Nominalverzinsung von sieben oder acht Prozent gekauft hat, bekommt diese Prozente auch später garantiert, die Rückzahlung würde dann aber statt in luftiger Lira in Euro erfolgen ­ vorausgesetzt, Italien schafft den Sprung in die Währungsunion.Doch auch die Märkte schlafen nicht.Je wahrscheinlicher der frühe Beitritt des Südlandes ist, desto geringer wird die Zinsdifferenz zu Anlagen in Hartwährungen.Wer hohe Zinsen will, muß heute daher noch einen Schritt weiter gehen, weiß Heinz Grimm, Volkswirt bei der Bankgesellschaft Berlin.Fremdwährungsanleihen in griechischen Drachmen etwa locken mit hohen Zinserträgen.Doch dafür nimmt man einige Risiken in Kauf.Denn ob und wann Griechenland den Eintritt in den Euro-Club schafft, steht in den Sternen. Schlecht beraten ist nach Meinung vieler Anlageexperten dagegen, wer vor dem Euro zu fliehen versucht und sein Geld in britischen Pfund, US-Dollar oder Schweizer Franken anlegt.Daß die Briten in der ersten Runde nicht dabei sein werden, steht heute so gut wie fest.Als Fluchtwährung bieten sich Pfund und Greenback nach Einschätzung von Analysten dennoch nicht an: Der Höhenflug der britischen und der US-Wirtschaft steuere seinem Ende entgegen.Wenn der Euro kommt, so glauben viele, stehen Pfund und Dollar daher schon wieder unter Abwertungsdruck.Noch kritischer sieht man Investitionen in den Schweizer Franken.Denn die Banken des Alpenlandes zahlen deutlich niedrigere Zinsen als die Geldhäuser in Deutschland.Zudem treibt ein starker Zustrom von Fluchtgeldern den Kurs des Franken in die Höhe ­ für die Schweizer Exportwirtschaft eine harte Belastung.Schon einmal hat man daher zu drakonischen Maßnahmen gegriffen und Strafzinsen verhängt: Bis zu 10 Prozent alle drei Monate wurden vom Konto abgezogen! Hinzu kamen noch Gebühren für den Geldumtausch und die Verwaltung des Geldes.Eine Anlage in Schweizer Franken, warnt Grimm daher, sei der "sicherste Weg, aus einem großen Vermögen ein kleines zu machen".

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