Chancengleichheit : Konzerne wollen keine Quotenfrauen

Die Telekom bleibt mit ihrem Vorstoß allein, 30 Prozent ihrer Führungspositionen mit Managerinnen zu besetzen. Das ergibt eine Tagesspiegel-Umfrage bei den 30 Dax-Konzernen.

von und Svenja Markert
Schroeder
Karrierefrau. Familienministerin Kristina Schröder lässt es bei Appellen bewenden. -Foto: ddp

Berlin - Das Ziel, für Chancengleichheit im Unternehmen zu sorgen und Frauen zu fördern, steht so oder ähnlich in jedem Nachhaltigkeitsbericht großer deutscher Unternehmen. Doch mit der Ankündigung, eine verbindliche Frauenquote für das mittlere und obere Management einzuführen, hat die Deutsche Telekom jetzt für viel Wirbel unter den im Dax notierten Unternehmen gesorgt. Allerdings will derzeit kein anderes Unternehmen dem Beispiel folgen und verbindliche Ziele festlegen. Das ergab eine Umfrage des Tagesspiegels bei den 30 Dax-Konzernen. Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder lehnt es ab, eine Quote vorzuschreiben. Eine gesetzlich verordnete Quotenregelung für Frauen in Aufsichtsräten könne nur Ultima Ratio sein, sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin auf einer Veranstaltung der Initiative „Mehr Frauen in die Aufsichtsräte“.

Die Deutsche Telekom will die Frauenquote in Führungspositionen bis Ende des Jahres 2015 auf 30 Prozent steigern. „Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Ziel erreichen“, sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger in Berlin. Derzeit sind bei der Telekom in Deutschland 12,5 Prozent der Führungskräfte weiblich, im gesamten Konzern sind es 18 Prozent. Deutschland hinke hinterher, sagte Sattelberger. So gebe es in den internationalen Gesellschaften der Telekom in der ersten Führungsebene – also bei Geschäftsführern und Vorständen – bereits 15 Prozent Frauen. „In Deutschland sind es null“, sagte Sattelberger.

Dabei geht es der Telekom nach den Worten von Konzernchef René Obermann nicht nur um Fairness. „Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser“, sagte Obermann. Eine Reihe von Studien belegten, dass gemischte Teams nicht nur innovativer, sondern auch geschäftlich erfolgreicher seien, erklärte Personalchef Sattelberger. „Es gibt also handfeste betriebswirtschaftliche Argumente für mehr Frauen in Führungspositionen.“ Zudem sei dies auch eine Antwort auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel. Mit der Quotenregelung hofft die Telekom mehr weibliche Berufseinsteigerinnen gewinnen zu können und damit mehr junge Talente für Führungspositionen in der Auswahl zu haben. „Unsere jahrelangen Maßnahmen zur Frauenförderung waren redlich und gut gemeint“, sagte Sattelberger. „Der durchschlagende Erfolg blieb bisher aber leider aus.“ Das soll sich ändern, etwa durch die interne Regel, dass bei Besetzungen im oberen und mittleren Management mindestens 30 Prozent der Bewerberinnen weiblich sein müssen. Daneben gibt es begleitende Maßnahmen, die zum Beispiel die Vereinbarkeit von Karriere und Familie erleichtern sollen.

Schaut man auf die 30 Dax-Konzerne, fallen die Frauenquoten im Management sehr unterschiedlich aus. Beim Düngemittel- und Salzproduzent K+S sind nur fünf Prozent der Führungskräfte weiblich. „Das liegt daran, dass wir ein Bergwerkkonzern sind“, erklärte ein Sprecher. Bis Mitte 2009 war es Frauen verboten, unter Tage zu arbeiten. Daher gab es bis dato auch keine weiblichen Bergbauingenieure. „Für uns wäre eine Quote nicht sinnvoll“, sagt der Sprecher. „Es gibt zu wenig qualifizierte Frauen in unserem Bereich.“ Beim Sportartikelhersteller Adidas sind dagegen bereits 31 Prozent der Führungskräfte weiblich. Bei der Deutschen Bank sind es 30 Prozent, in der oberen Ebene jedoch nur 16 Prozent. In den Vorstand eines Dax-Konzerns hat es aktuell nur Barbara Kux bei Siemens geschafft.

Dennoch lehnen die übrigen Dax-Unternehmen eine Frauenquote ab. „Bei uns zählt Qualifikation statt Quote“, hieß es etwa bei Linde. Ein Sprecher der Deutschen Bank drückte es so aus: „Wir haben eine Leistungsorientierung im Haus. Wir glauben, dass Frauen diese Leistung auch ohne Quote bringen.“ Der Autokonzern Daimler hat sich immerhin vorgenommen, durch die Förderung von Frauen ihren Anteil in leitenden Positionen bis zum Jahr 2020 von derzeit rund acht auf 20 Prozent zu erhöhen.

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