Wirtschaft : Chaos bei Bosch in Berlin

Verkauf der Bosch Breitbandnetze möglicherweise schon entschieden – Mitarbeiter wollen protestieren

Corinna Visser

Berlin - Alle Bemühungen der Mitarbeiter von Bosch Breitbandnetze, Gesellschafter ihrer eigenen Firma zu werden und so ihre Arbeitsplätze zu sichern, könnten vergebens gewesen sein. „Wir haben erfahren, dass Telecolumbus unser Unternehmen zum 13. August kauft“, sagte Betriebsratsvorsitzender Detlef Generich dem Tagesspiegel. „Das ist kein faires Verhalten.“ Bosch in Stuttgart, die Muttergesellschaft von Bosch Breitbandnetze in Berlin, habe den Mitarbeitern zugesagt, ihr am Montag gemeinsam mit der Firma Pepcom eingereichtes Angebot zu prüfen. Offenbar sei die Entscheidung aber schon gefallen, sagte Generich . Man überlege, wie man dagegen protestieren könne. Ein Unternehmenssprecher von Bosch sagte dem Tagesspiegel jedoch: „Alle vorliegenden Angebote werden noch geprüft.“

Die 220 Mitarbeiter von Bosch Breitbandnetze wollten am Dienstag eine Gesellschaft gründen, um sich mit zehn Prozent am Stammkapital der eigenen Firma zu beteiligen. Dafür hätten sie rund 20 Millionen Euro aufbringen müssen. Am Montag hatte dazu eine Versammlung mit rund 100 Beschäftigten stattgefunden. „Die Mitarbeiter haben uns signalisiert, dass wir auf diesem Weg weitergehen sollen“, sagte Betriebsratschef Generich. Alles sei für die Gründung einer Beteiligungs-GmbH vorbereitet gewesen, sagte er. Doch sie fiel aus, weil sie keinen Sinn mehr mache, wenn es schon einen anderen Käufer gebe, sagte er.

Die Mitarbeiter von Bosch Breitbandnetze fürchten, dass sie beim Verkauf ihres Unternehmens an eine andere Kabelgesellschaft ihre Arbeitsplätze verlieren könnten. Bosch Breitbandnetze versorgt rund 1,3 Millionen Kunden mit Fernseh- und Radioprogrammen und immer mehr auch mit schnellen Internetanschlüssen. Bosch scheut jedoch die enormen Investitionen, die nötig sind, um das Kabel zum Multimedianetz auszubauen und will daher die Berliner Tochterfirma verkaufen.

Mit drei potenziellen Käufern war Bosch im Gespräch: mit den Finanzinvestoren Blackstone und BC Partners (denen bereits die Kabelgesellschaft Telecolumbus gehört) sowie der Kabelfirma EWT. Dazu, dass die Entscheidung bereits gefallen sein könnte, sagte ein Sprecher von EWT: „Wir glauben, dass Bosch so ein fairer Partner ist, dass es sich dabei nur um ein Gerücht handeln kann.“

Ausgeschieden aus dem Bieterprozess war zunächst die Firma Pepcom, der eine Reihe kleinerer Kabelfirmen gehören. Das ursprüngliche Gebot von Pepcom war zu niedrig. Am Montag hat Pepcom jedoch ein neues Angebot in Höhe von 325 Millionen bis 400 Millionen Euro vorgelegt. Bosch hatte zugesagt, dieses zu prüfen, weil Pepcom im zweiten Anlauf gemeinsam mit den Mitarbeitern auftritt. Pepcom hatte den Mitarbeitern unter anderem zugesagt, fünf Jahre lang auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Die IG Metall hatte mit Streik gedroht, falls Bosch das Angebot in dem schon weit fortgeschrittenen Verkaufsprozess nicht mehr berücksichtigt. Das Gründungskapital für die Beteiligungsgesellschaft der Belegschaft sollte zunächst „leihweise“ von Pepcom-Mitgesellschafter Heinz-Peter Labonte kommen.

Dass die Arbeitsplätze bei Bosch Breitbandnetze tatsächlich in Gefahr sind, bezweifeln Branchenexperten jedoch. Sie werfen Pepcom vor, die Unsicherheit der Mitarbeiter auszunutzen und sich so wieder in den Verkaufsprozess hineinzumanövrieren. Ganz gleich , wer Bosch Breitbandnetze übernehme, es ließen sich im Kabelgeschäft keine großen Einspareffekte durch das Zusammenlegen von Geschäftsbereichen erzielen, sagte ein Branchenexperte. In dem Geschäft sei es wichtig, vor Ort präsent zu sein, um Kunden zu betreuen oder die Netze in Schuss zuhalten. Zudem habe Bosch Breitbandnetze bereits eine schlanke, gut funktionierende Struktur. „Kein Einziger wird seinen Job verlieren“, sagten Branchenkenner. Im Gegenteil, Fachleute seien rar.

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