Wirtschaft : Charaktere vom Reißbrett

Stephanie Kaiser leitet ein Team von begeisterten Spielern.

Melanie Hofmann

Stephanie Kaiser eine Quereinsteigerin zu nennen, ist eigentlich noch untertrieben. Die 30-Jährige hat Französisch und Bibliothekswissenschaften studiert und wollte das Studium eigentlich zu Ende bringen. Doch ihr Studentenjob beim Klingeltonanbieter Jamba führte auf einen anderen Weg: Als ihr Chef seine Firma Wooga gründet, geht sie mit. Kaiser soll auf einmal ein Onlinespiel für ein soziales Netzwerk entwickeln. „Wir mussten uns fragen: Was soll das für ein Spiel sein? Welche Optionen gibt es? Wie sehen die Charaktere aus?“, sagt sie.

Ihr erstes Spiel, „Monster World“, hat sie mit einem zehnköpfigen Team auf den Markt gebracht. Inzwischen nennt sie sich „Head of Studio“ und steht fünf Teams mit 90 Leuten vor, die Spiele vor allem für den mobilen Markt kreieren. Sie brauchten vor allem Neugierde und Begeisterung, sagt Kaiser. Und sie dürften keine Angst haben Dinge auszuprobieren. „Ich hatte oft keine Erfahrung mit meinen Aufgaben – aber ich habe es einfach gemacht.“

Um ein neues Spiel zu designen spielt das Team erst einmal. Ziel ist es herausfinden, in welche Richtung ein neues Spiel gehen könnte. Das Konzept erstellt meist der federführende Produktentwickler, der damit den Grundgedanken des Spiels entwickelt. Steht das Konzept, ist es Kaisers wichtigste Aufgabe herauszufinden, wie ein Nutzer an das Spiel herangeht: Welche Aktionen macht er? Was ist das Ziel? Wie kann man ihn motivieren dabeizubleiben? Bis hierhin ist die Entwicklung im wahrsten Sinne Handarbeit: Mit Stift und Papier oder am Whiteboard, mitunter auch in Power-Point wird entworfen, sodass daraus der erste Prototyp programmiert werden kann. „Das sieht meist nicht gut aus - aber es geht eben auch nur darum, zu testen, ob es Spaß macht“, sagt Kaiser.

Das Urteil von Freunden und auf der Straße angesprochenen Testern liefert dann die Grundlage für die Weiterentwicklung. Erst wenn Meyer und ihr Team sicher sind, dass eine Spielidee funktioniert, geht sie in die Produktion. Dann wird ein Team zusammengestellt aus Entwicklern, Grafikdesignern und Produktmanagern.

Abgeschlossen ist die Entwicklung eigentlich nie. Ist das Spiel auf dem Markt, arbeiten Kaiser und ihr Team an neuen Runden, passen die Schwierigkeit an und sorgen dafür, das es die Spieler auch weiterhin fordert. Melanie Hofmann (HB)

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