• Chef der Bundesagentur für Arbeit: Weise sieht gute Chancen, mehr Langzeitarbeitslose in Jobs zu bringen

Chef der Bundesagentur für Arbeit : Weise sieht gute Chancen, mehr Langzeitarbeitslose in Jobs zu bringen

Vom Aufschwung in den vergangenen Jahren hatten sie bislang nur wenig profitiert - seit Jahren liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen bei rund einer Million. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht nun die Möglichkeit, das zu ändern.

„Bei dem aktuellen Bedarf der Wirtschaft besteht eine gute Chance, einer spürbaren Zahl von Menschen zu helfen“, sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise.
„Bei dem aktuellen Bedarf der Wirtschaft besteht eine gute Chance, einer spürbaren Zahl von Menschen zu helfen“, sagt der Chef der...Foto: dpa

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht gute Chancen, die Langzeitarbeitslosigkeit in den kommenden Jahren „spürbar“ zu senken. Das setze allerdings nicht nur eine stabile Konjunktur voraus, sondern auch ein großes Engagement von Jobvermittlern und Jobsuchern, sagte Weise in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Der dritte wichtige Faktor - Geld für Förderprogramme - stehe zumindest bei den Arbeitsagenturen in ausreichendem Maß zur Verfügung.

Rund eine Million sind länger als ein Jahr arbeitslos

Seit Jahren verharrt die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind und damit als Langzeitarbeitslose gelten, bei rund einer Million. Rund 620.000 der aktuell 1,9 Millionen arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger sind laut Bundesagentur seit sieben Jahren oder mehr ununterbrochen auf Jobcenter-Leistungen angewiesen.

Großer Mix an Förderprogrammen

„Bei dem aktuellen Bedarf der Wirtschaft besteht eine gute Chance, einer spürbaren Zahl von Menschen zu helfen“, sagte Weise. Das setze aber voraus, dass „unsere Berater einen guten Job machen, die Leute gut betreuen fordern, fördern“. Notwendig sei eine individuelle, auf den Einzelfall abgestimmte Beratung. „Ich warte auf kein großes Programm, keinen dritten sozialen Arbeitsmarkt oder Ähnliches. Wir haben ja vieles erprobt und Erfahrungen gesammelt.“ Die Bundesagentur verfüge bereits über einen „großen Mix an Programmen“ zur Förderung und Unterstützung von Arbeitslosen.

Geld sei genug da, sagt Weise

Auch an Geld fehle es nicht. Etwas angespannter sei die Lage im Hartz-IV-Bereich, für den der Bund finanziell aufkommen muss: „Der Verwaltungskostenanteil in der Grundsicherung steigt zum Beispiel wegen Tarifabschlüssen - also Personalkosten - prozentual an. Das belastet das Budget.“ Dabei sei gerade in diesem Bereich der Erfolg umso größer: „Wenn wir aus der Grundsicherung jemand wieder in Arbeit bringen, zahlt dieser Mensch Beiträge, anstatt auf Arbeitslosengeld, Kosten der Unterkunft und andere Leistungen angewiesen zu sein“, sagte Weise.

Die Deutsche Bahn als Vorbild

Grundsätzlich sei die Wirtschaftslage derzeit für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen günstig. Bei vielen Firmen gebe es einfache Tätigkeiten. „Ein richtig gutes Programm läuft etwa bei der Deutschen Bahn. Die brauchen viele Reinigungskräfte - für die Züge, für die Bahnhöfe“. Da die DB lange Zeit kaum noch Leute für diese Arbeiten gefunden habe, sei sie neue Wege gegangen. Junge Arbeitslose durchliefen nun eine von der Bundesagentur geförderte Kurzausbildung, für die sie Zertifikate bekämen. Inzwischen sei die Arbeit so attraktiv, dass die Bahn kaum noch Probleme habe, Kräfte zu gewinnen.

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