Chef der Rentenversicherung : Rentenerhöhung im Juli bringt "spürbare Verbesserung"

Rentner erhalten zum 1. Juli mehr Geld. Und diesmal können sich auch die Ruheständler im Westen über eine deutliche Erhöhung freuen, sagt Axel Reimann, Präsident der Rentenversicherung. Gleichzeitig erklärt er, warum es sich lohnt, länger zu arbeiten.

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Der Präsident der Rentenversicherung Bund, Axel Reimann.
Der Präsident der Rentenversicherung Bund, Axel Reimann.Foto: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS

Angesichts der aktuell niedrigen Inflation komme es „zu einer spürbaren Verbesserung des Realeinkommens“, sagte Reimann im Interview mit dem Tagesspiegel. Bei der Schätzung im Oktober letzten Jahres sei man noch von einer Anpassung in Höhe von ein bis zwei Prozent ausgegangen. „Insbesondere wegen der guten Lohnentwicklung liegen die Anpassungswerte jetzt über unseren früheren Erwartungen." Die Lohnentwicklung sei in den vergangenen Jahren deutlich gebremst gewesen. „Wenn die Einkommen jetzt durch höhere Tarifabschlüsse stärker steigen, wird sich das auch bei den Rentnern niederschlagen“, sagte der Rentenpräsident.

Zugleich sieht Reimann die von der großen Koalition geplante "Lebensleistungsrente" mit Skepsis. „Ich habe meine Zweifel, dass eine bedürftigkeitsgeprüfte Leistung in unser Rentenversicherungssystem passt“, sagte er in dem Gespräch. Es mache keinen Sinn, bundesweit einen einheitlichen Betrag festzulegen, sagte er zu den Überlegungen, die Rente auf 850 Euro aufzustocken. So sehe der Bedarf in ländlichen Regionen häufig anders aus als in Großstädten. „Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, stattdessen noch einmal die Grundsicherung  zu überarbeiten. Wenn man kleinere Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aber auch aus Betriebs- oder Riester-Renten darauf nicht voll anrechnet, schafft man auch einen höheren Anreiz, privat fürs Alter vorzusorgen. Und das wäre wichtig“.

Sein Rat an Minijobber: Freiwillig Beiträge einzahlen

Reimann appellierte an die Minijobber, freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. „Ich kann nur jedem empfehlen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Denn durch längere Versicherungszeiten werden, egal wie viel eingezahlt wird, Anspruchsmöglichkeiten auf das gesamte Leistungspaket der Rentenversicherung eröffnet“. Um eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten, müsse man zum Beispiel in den letzten fünf Jahren drei Jahre Pflichtbeitragszeit nachweisen.

Seit 2013 werden Minijobber pflichtversichert, wenn sie nicht aktiv widersprechen. Die Zahl der Pflichtversicherten habe sich seitdem nach Angaben der Minijobzentrale verdreifacht, sagte Reimann. Von 7,1 Millionen Minijobbern seien vor 2013 nur 400 000 versicherungspflichtig gewesen, jetzt seien es 1,2 Millionen, erklärte Reimann.

Länger arbeiten lohnt sich

Der Rentenpräsident sagte, er sehe schon heute „erhebliche Anreize“ in der Rentenversicherung, länger als bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. „Geht man ein Jahr später in Rente, erhält man einen Zuschlag von sechs Prozent. Darüber hinaus erwirbt man einen höheren Rentenanspruch“. Wenn man den Renteneintritt um ein Jahr herausschiebe, komme man so auf etwa 8,5 Prozent. „Das ist beträchtlich“. Im Moment machten aber nur rund 15.000 Menschen im Jahr von der Möglichkeit des Hinausschiebens des Rentenbeginns Gebrauch. Man müsse sich nicht nur die Regelungen im Rentenrecht anschauen, sondern auch im Arbeitsrecht und Tarifrecht. Viele Tarifverträge seien beispielsweise darauf ausgerichtet, dass das Beschäftigungsverhältnis mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze ende.

Lesen Sie das Interview im Wortlaut in der Tagesspiegel-Ausgabe von Montag (23. März 2015) gedruckt oder als E-Paper.

Welche Vorsorge-Optionen es gibt, sehen Sie hier.

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