Wirtschaft : Chef der Westdeutschen Landesbank vor der Ablösung

Ein Prüfbericht der Finanzaufsicht belastet mehrere Spitzenmanager schwer / Drastische Fehler bei Kreditgeschäften im Ausland

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Düsseldorf (cd/HB). Bereits am Montag könnte die Entscheidung über die weitere Zukunft von Jürgen Sengera als WestLBChef fallen. Bei einem Treffen wollen Eigentümervertreter von Land, Sparkassen und Kommunen erstmals über mögliche Konsequenzen aus dem Bericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beraten, verlautete gestern aus Eigentümerkreisen. Nach Informationen des Handelsblatt will Sengera abtreten, sollten ihm die Eigentümer nicht mehr geschlossen ihr Vertrauen aussprechen.

In den vergangenen Wochen hatte es vor allem zwischen Sengera und den Sparkassenpräsidenten Karlheinz Bentele und Rolf Gerlach Spannungen gegeben. Auslöser waren die erheblichen Wertberichtigungen für die britische Leasinggesellschaft Box Clever; sie ließen die Risikovorsorge der WestLB für 2002 auf mehr als 1,7 Milliarden Euro hochschnellen. Allein Box Clever soll dazu 430 Millionen Euro beigetragen haben. „Der Bafin-Bericht deckt drastische Mängel in dem Fall auf," heißt es in Aufsichtsratskreisen der WestLB. Sogar die Eignung von Sengera als Leiter einer Bank werde von den Eigentümern in Frage gestellt – sein Stuhl wackelt.

Dabei reichten die Fehler bei dem Großkunden Box Clever von der Ausgabe des Kredits bis hin zu drastischen Mängeln bei der Risikokontrolle, heißt es in dem rund hundertseitigen Bericht der Bafin. Obwohl das zentrale Kreditmanagement eine Überprüfung des Engagements angeregt habe, sei bis zuletzt nichts passiert, berichten Eigentümerkreise.

Verantwortlich macht die Bafin vor allem den engeren Vorstand der Bank um Sengera. Dazu gehören die beiden Vorstände Andreas Seibert und Adolf Frank; deren Entlassung scheint so gut wie beschlossen. Trennen will sich die Bank auch von ihrer Starbankerin Robin Saunders. Nach den Entlassungen wolle der Aufsichtsrat auf seiner turnusmäßigen Sitzung am 2. Juli einen „Schlussstrich“ unter die Sonderprüfung der Bafin ziehen, heißt es weiter.

Das von der WestLB in London geführte Geschäftsfeld Principle Finance für Spezialfinanzierungen will die Bank ebenfalls verkaufen. Ein Gutachten über dessen Wert könnten Goldman & Sachs und die Citibank bereits am Montag vorlegen. Offen ist, ob die Bafin noch weitere brisante Details aufdecken wird. Ein zweiter Bericht sei wahrscheinlich, hieß es in WestLB-Kreisen. Schließlich beziehe sich der vorgelegte Bericht nur auf den Fall Box Clever. Untersucht wurden aber fünfzehn Risiken.

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