• Chef des Bundeskartellamts im Interview: „Es wäre gut, wenn Amazon in den Lebensmittelmarkt einsteigt"

Amazon könnte Edeka, Rewe und Co. aufmischen

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Chef des Bundeskartellamts im Interview : „Es wäre gut, wenn Amazon in den Lebensmittelmarkt einsteigt"
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Es gibt Gerüchte, dass künftig neben Edeka, Rewe, Lidl und Aldi auch Amazon im Lebensmittelhandel mitmischen und einen bundesweiten Lieferdienst für Lebensmittel aufbauen will. Fänden Sie das gut?

Bei einem Markt, den vier große Anbieter unter sich aufteilen, ist jeder neue Wettbewerber willkommen. Ob und vor allem wie ein Bringdienst für frische Lebensmittel funktioniert, muss man abwarten. Das ist ja nicht so einfach. Auch die großen Lebensmitteleinzelhandelsketten arbeiten an Konzepten. Aber manchmal braucht man auch Unternehmen, die von außen in einen Markt einsteigen. Denken Sie an die Musikindustrie, die vor 20 Jahren darüber geklagt hatte, dass sie kein Geld verdient. Dann kam Apple und hatte mit seinem Musikstreaming ein überzeugendes Geschäftsmodell.

Was heißt das für Ihre Arbeit, wenn große Digitalkonzerne in immer mehr Branchen Fuß fassen?

Unsere Arbeit verändert sich sehr stark. Früher gab es in den meisten Märkten mehrere Wettbewerber, die sich gegenseitig in Schach gehalten haben. Fusionskontrolle und die Kartellverfolgung standen im Vordergrund. Heute rückt die Missbrauchsaufsicht immer stärker in den Fokus, also die Kontrolle von marktmächtigen Unternehmen. In der digitalen Welt gelten andere Mechanismen. Durch Netzwerkeffekte werden die Großen immer größer, und einzelne Branchen neigen zur Monopolisierung. Datenbesitz hat eine herausragende Bedeutung. Wir haben es in der Plattformwelt mit einigen wenigen dominierenden Unternehmen zu tun. Deren Hauptsorge ist, dass ein neuer Anbieter kommen könnte, der innovativer ist als sie.

Deshalb hat Facebook ja auch WhatsApp gekauft.

Wahrscheinlich. Dennoch gilt: Größe an sich ist nicht verboten. Wir haben auch kein Interesse daran, die Innovationskraft und die Dynamik abzuwürgen, die wir in der Internetwirtschaft erleben. Wir haben zwei Aufgaben im Fokus. Wir müssen aufpassen, dass die großen Unternehmen ihre Marktmacht nicht missbrauchen, und wir müssen die Märkte offenhalten, so dass Newcomer und kleinere Unternehmen eine Chance haben, den großen Playern entgegenzutreten. Das gilt für viele digitale Plattformen wie Buchungsportale, Amazon, Google oder Facebook. Aber wir meistern das schon. Wir haben Grundsatzpapiere erarbeitet und sehr viele Fälle angepackt.

Was bringt es denn, sich immer nur einzelne Fälle herauszupicken?

Wir können und wollen nur dann gegen große Unternehmen vorgehen, wenn sie ihre Marktmacht missbräuchlich ausnutzen. Größe allein ist nicht das Problem.

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