Wirtschaft : Chef-Volkswirt Joachim Fels: Korrektur bei Technologiewerten überfällig (Interview)

Herr Fels[die Börsen in USA],Deutschland

Joachim Fels ist Chef-Volkswirt für Europa bei der Investmentbank

Morgan Stanley Dean Witter in London.

Herr Fels, die Börsen in USA und Deutschland fahren Achterbahn. Warum geht es bei den Märkten so stark auf und ab?

Ich glaube es liegt daran, dass es beträchtliche Zinsängste in den USA und in Europa gibt. Die Märkte wissen nicht genau, ob und wann die Notenbanken die Zinsen erhöhen. Diese Unsicherheit spiegelt sich in den starken Ausschlägen der Börsen wieder. Denn sollten die Notenbanken die Zinsen anheben, dann sind das schlechte Zeiten für die Börsen.

War das Microsoft-Urteil, in dessen Sog die Technologie-Aktien stark gefallen waren, also nur der Tropfen auf den heißen Stein?

Der Urteilsspruch kann tatsächlich als Auslöser gesehen werden, der die Technologieaktien nach unten zog. Aber es sind nicht nur die Werte der so genannten New Economy gefallen. Auch die herkömmlichen Werte der Old Economy, wurden - wenn auch nicht so stark - von diesem Sog erfasst.

Sind die Technologiewerte nicht in jedem Fall zu überbewertet gewesen?

Ich sehe es so. Die längerfristigen Aussichten für die neuen Technologien sind sicher sehr gut. Aber die Märkte haben diese möglichen Erträge schon zu stark vorweggenommen. Die Werte waren zu hoch bewertet. Wenn Technologiewerte jetzt einen niedrigeren Preis haben, dann ist das nur eine gesunde Korrektur.

Haben Sie nicht den Eindruck, dass die Investoren über die Gewinnentwicklung mancher Werte an der US-Technologiebörse Nasdaq oder am Neuen Markt enttäuscht sind und jetzt den Geldhahn zudrehen?

Ob sie enttäuscht sind oder nicht, weiß ich nicht. In jedem Fall ist aber ein Umschichten an der Börse von New-Economy-Werten zu Old-Economy-Werten zu erkennen. Die Händler schauen jetzt darauf, inwiefern herkömmliche Industrien von den neuen Technologien, wie dem Internet, profitieren. Hier sehen sie Wachstumspotenzial, was die Werte wieder interessanter macht.

Es gibt also auch durchaus positive Impulse für die Börse?

Ja natürlich - wir erleben in der Tat eine Revolution in der Informationstechnologie. Die damit verbundenen Effizienzgewinne für die Wirtschaft erhöhen die Gewinnaussichten für die Unternehmen.

Dennoch haben wir die Berg- und Talfahrt an der Börse, wie könnte sich das normalisieren?

Solange die Unsicherheit an der Börse über die Zinsentwicklung besteht, wird sich nichts ändern. Nach den nächsten zwei oder drei Zinsschritten in den USA werden wir sehen, wohin die Reise geht, wie sich die US-Wirtschaft weiter entwickeln wird.

Mit welcher Zinspolitik rechnen Sie bei der Europäischen Zentralbank?

In Europa werden die Zinsen weiter steigen, allerdings nicht so stark wie in den USA. Im Euro-Land boomt die Wirtschaft nicht so stark wie in den USA, und die Inflationsrisiken sind geringer. Ich rechne mit zwei Schritten von je einem halben Punkt. Mit Joachim Fels sprach Karin Birk.

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