Wirtschaft : Chef von Epigenomics tritt zurück Biotechfirma nennt noch keinen Nachfolger

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Berlin - Alexander Olek, Firmengründer und Vorstandschef des Berliner Biotechunternehmens Epigenomics, ist überraschend und mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der Vertrag sei im Einvernehmen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gelöst worden, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Bis ein Nachfolger für den 37-Jährigen gefunden ist, werden seine Vorstandskollegen die Führung übernehmen.

Spekulationen, wonach Oleks Rücktritt mit dem Geschäftsverlauf zusammenhängen könnte, wies Finanzvorstand Oliver Schacht in einer Telefonkonferenz am Freitag zurück. „Da gibt es absolut keinen Zusammenhang.“ Olek selbst begründete seine Entscheidung damit, dass er „zu der Überzeugung gekommen (sei), dass es Aufgaben gibt, die von einem erfahrenen Manager verlässlicher durchgeführt werden können“. Die erfolgreiche Vermarktung der Produkte scheine ihm eine solche Aufgabe zu sein.

Epigenomics entwickelt auf Basis von Erbgutuntersuchungen Tests zur Krebs-Erkennung. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Biochemiker Olek das Unternehmen an die Börse gebracht. Die bisherige Kursentwicklung ist allerdings enttäuschend. Die Aktie, vor einem Jahr mit neun Euro gestartet, notierte am Freitagabend bei 4,6 Euro – im Vergleich zum Vortag ein Minus von 6,1 Prozent.

Wegen der schwachen Kursentwicklung hätten die Investoren wahrscheinlich Druck gemacht, Olek abzulösen, hieß es aus Branchenkreisen. Dem Forscher fehle die nötige Erfahrung im Marketing, seine Expertise liege in der Entwicklung. Epigenomics will zwei Tests zur Erkennung von Krebs innerhalb der nächsten zwei Jahre bis zur Marktreife entwickeln. Nach Einschätzung von Analysten haben die Produkte ein Umsatzpotenzial von je 20 bis 30 Millionen Euro.

Epigenomics steckt noch tief in den roten Zahlen. Der operative Verlust erhöhte sich im zweiten Quartal auf rund 4,4 Millionen Euro, nach minus drei Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz brach um 65 Prozent auf 628 000 Euro ein

Gespräche mit einem potenziellen Nachfolger des abgetretenen Vorstandschefs seien noch nicht geführt worden, da Olek seine Entscheidung erst am Vorabend getroffen habe, sagte Aufsichtsratschef Rolf Krebs. In sechs Wochen will er einen Kandidaten präsentieren. pet

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