Wirtschaft : Chemie-Fusion ist fast perfekt

FRANKFURT (MAIN)/DÜSSELDORF (AP).Der geplante Zusammenschluß zwischen Hoechst und dem französischen Pharmahersteller Rhone-Poulenc steht nach einem Bericht des "Handelsblatts" kurz vor dem Abschluß.Wie die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, wollen sich die beiden Unternehmen zur führenden Pharma- und Agrochemiegruppe der Welt zusammenschließen.Es gehe derzeit um die "Feinjustierung des Deals", der bis Anfang Dezember verkündet werden solle.Es gehe um einen Zusammenschluß unter Gleichen ("Merger of Equals").Hoechst und Rhone-Poulenc wollten den Bericht nicht kommentieren.Bereits in der vergangenen Woche waren entsprechende Gerüchte laut geworden.

Der neue Konzern käme aktuell auf einen Börsenwert von rund 80 Mrd.DM und wäre die zweitgrößte grenzüberschreitende Transaktion mit deutscher Beteiligung nach Daimler-Chrysler.Hoechst würde rund 22 Mrd.DM Umsatz in die Firmenehe bringen, die Franzosen steuerten 17,5 Mrd.DM zu.Das neuen Unternehmen hätte über 200 000 Mitarbeiter.Der Kurs der Hoechst-Aktie fiel in Frankfurt gegen den Markttrend.Händler erklärten dies mit Gewinnmitnahmen, nachdem der Zusammenschluß offenbar konkret werde.

Die Unternehmen können nach Ansicht von Beratern allein im Pharmabereich bei einem Zusammenschluß Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe erwarten und Positionsverbesserungen am Markt erreichen.Die neuen Partner hätten erhebliche Überschneidungen im Portfolio, etwa bei Bekämpfung von Allergien, Krebs und Kreislaufkrankheiten.Im Pharmasektor erreichen dem Bericht zufolge Hoechst und Rhone-Poulenc mit Erlösen von etwa 25 Mrd.DM etwa 5,8 Prozent Weltmarktanteil.Damit würden sie vor dem bisherigen Marktführer Glaxo Wellcome liegen.Beim Pflanzenschutz läge der Zusammenschluß knapp hinter der Novartis AG, die auf mehr als sieben Mrd.DM Weltumsatz kommt.

Hoechst sowie Rhone-Poulenc seien mit jeweils mehr als 15 Mrd.DM Verbindlichkeiten in die Gespräche gegangen, heißt es weiter.Auch beim Ertrag lägen beide Unternehmen unter dem Branchenvergleich.Hoechst meldete für den bisherigen Jahresverlauf 7,3 Prozent Vorsteuerrendite, Rhone-Poulenc 5,2 Prozent vor außerordentlichen Posten.US-Pharmakonzerne kämen auf den vier- bis fünffachen Wert.Die beratenden Investmentbanken hätten die beiden Unternehmen einer Buchprüfung unterzogen.Nun gehe es um Details.So sei noch offen, wie die neue Gruppe heißen und wo sie ihren Sitz haben soll.

Die Analysten der BNP und von Sal.Oppenheim stehen der Fusion skeptisch gegenüber.Für letztere macht der Zusammenschluß nur wenig Sinn.Beiden Unternehmen fehle es an innovativen Medikamenten.Auch seien keine Ergänzungen bei der geographischen Präsenz zu erkennen.Die Banker von BNP merken an, Hoechst brauche einen starken Partner in Nordamerika.

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