Wirtschaft : Chemie, Kernenergie, Gentechnik: eine Agentur berät bevorzugt scharf beobachtete Branchen

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Eigentlich hatte Ludger Staby, früherer Vorstandssprecher des Hamburger Zigarettenriesen Reemtsma, noch lange nicht ans Aufhören gedacht. Doch die Statuten des Tabakkonzerns sehen bereits mit 63 Jahren ein Ausscheiden aus dem operativen Geschäft vor.

Mit Golfspielen allein aber wird der agile Manager seine Zeit nicht verbringen. Seit einigen Monaten ist er Vorstandssprecher der Wirtschaft-Medien-Politik Beratung (WMP) AG, die ihren Firmensitz gerade von Hamburg in die Hauptstadt Berlin verlagert. Die Agentur, die mit einem Kapital von 2,4 Millionen Mark ausgestattet wurde, will Firmen in den in der Öffentlichkeit kritisch beäugten Branchen - wie Chemie, Kernenergie oder Gentechnik - bei ihrer Außenwirkung beraten. Erfahrung hierfür bringt Staby bereits aus seiner Managertätigkeit bei Reemtsma mit. Dort war er jahrelang der Kritik der Nichtraucher-Lobby ausgesetzt.

Die Idee für die Gründung der WMP AG stammt vom früheren Aussenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), der auch Anteile an der AG hält. Genscher will als Berater für WMP tätig werden - und dabei seine internationalen Kontakte und die Erfahrung in Krisenmanagement und Diplomatie spielen lassen. Ein hochrangiger amerikanischer Politiker und enger Freund Genschers soll ihn auf die lukrative Branche von Top-US-Beraterfirmen aufmerksam gemacht haben, die multinationalen US-Konzernen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit helfen. "Die Politik reagiert auf jede öffentliche Strömung oder kritische Umfrage. Dies müssen deutsche Unternehmen noch lernen", sagte Staby.

Unterstützung erhält die WMP durch ihre Aktionäre. Das sind unter anderem Ulf Rittinghaus, Vorstandssprecher des ostdeutschen Automobilzulieferers Sachsenring, und sein Bruder Ernst-Wilhelm. Zum Kreis gehören auch der Unternehmensberater Roland Berger, die Dresdner Bank-Tochter BDW Beteiligungsgesellschaft für die deutsche Wirtschaft mbH sowie der frühere stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Hans-Erich Bilges.

Einen Kraftakt hat sich die WMP-Gruppe bereits vorgenommen. Die Strategen wollen das angeknackste Image der Weltausstellung im kommenden Jahr in Hannover aufpolieren. Staby: "Die Expo soll in der Welt einen neuen Ruf bekommen, worauf die Bundesbürger stolz sein können." Freilich drohte Bilges zuletzt die Ablösung als Pressechef der Expo. Er brachte einen Brief an die Mitarbeiter auf den Weg, in dem die Expo ihre Gesellschafter attackierte.

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