Chemie : Scherings Pille stärkt Bayer

Die starke Nachfrage nach Krebs- und Verhütungsmitteln aber auch die boomenden Agrarmärkte haben Bayer ein starkes erstes Quartal beschert. Der Aktienkurs steigt um knapp vier Prozent.

Maren Peters
Schering
Mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verdient Bayer das meiste Geld. -Foto. ddp

Berlin - Der Gewinn des Pharma- und Chemiekonzerns aus Leverkusen, der vor zwei Jahren Schering übernommen hatte, legte deutlich zu. „Wir haben die positive Entwicklung fortgesetzt – sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis“, sagte Bayer-Chef Werner Wenning am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz. „Der Aufwärtstrend bleibt ungebrochen.“ Der Finanzmarkt sah das offenbar genauso: Der Kurs der Bayer-Aktie legte bis zum späten Nachmittag um 3,7 Prozent auf 54 Euro zu. Damit setzte sich das Papier an die Spitze des Dax. Das dürfte auch die Aktionäre freuen, die der Konzern am heutigen Freitag zur Hauptversammlung nach Köln geladen hat.

Insgesamt steigerte Bayer den Umsatz im ersten Quartal um 2,4 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um fast zehn Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis schrumpfte dagegen von 2,8 Milliarden Euro auf 762 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Bayer noch Milliardenerlöse aus dem Verkauf des Diagnostika-Geschäfts verbuchen können.

Die Übernahme des Berliner Pharmaunternehmens Schering zahlt sich für Bayer nach wie vor aus: Umsatzstärkste Medikamente bleiben die mit Schering gekauften Verhütungspillen Yasmin, Yaz und Yasminelle. Mit ihnen setzte Bayer im ersten Quartal knapp 300 Millionen Euro um – ein Viertel mehr als im Vorjahresquartal. Auch die Nummer zwei im Verkauf ist ein früheres Schering-Mittel. Betaferon, das gegen die Nervenkrankheit Multiple Sklerose eingesetzt wird, legte ebenfalls zweistellig zu. Mit dem noch relativ neuen Medikament Nexavar gegen Nieren- und Lungenkrebs konnte Bayer den Umsatz in den vergangenen drei Monaten auf rund 100 Millionen Euro sogar mehr als verdoppeln.

Die Pharmasparte trägt 44 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Das künftige Wachstum wird aber überschattet durch laufende Patentklagen von und gegen US-Generikahersteller, die billige Konkurrenzmittel auf den Markt bringen wollen.

Abgesehen von umsatzstarken Medikamenten hat auch die weltweit wachsende Nachfrage nach Saatgut- und Pflanzenschutzprodukten sowie Düngemitteln Bayer geholfen. Die Pflanzenschutzsparte Crop Science, die rund 23 Prozent zum Gesamtumsatz beträgt, legte zum Jahresauftakt sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis zweistellig zu. „Wir konnten an der positiven Entwicklung der Welt-Agrarmärkte partizipieren“, sagte Wenning nüchtern. Für das Gesamtjahr hob er seine Prognose für das Pflanzenschutzgeschäft an. Auch Bayer-Konkurrenten wie der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta und der US-Saatgutkonzern Monsanto haben von dieser Entwicklung im ersten Quartal bereits kräftig profitiert.

Weniger gut lief es für Bayer in der Kunststoffsparte. Sie wird durch die weltweit anhaltend hohen Rohstoffpreise unter anderem für Rohöl belastet. Der Ertrag werde deshalb 2008 voraussichtlich unter dem des Vorjahres liegen, erwartet der Konzern.

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