Wirtschaft : Chemiebranche sucht den Anschluss

Andreas Bohne (HB)

Düsseldorf - Die Chemische Industrie steht mit ihren Halbjahresergebnissen, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden, an einem Wendepunkt. Branchenbeobachter bei Investmentbanken, Beratungsfirmen und Ratingagenturen hoffen, dass Europas bisher schwache Chemiekonjunktur Anschluss an den positiven US-Branchentrend findet. Schlimmstenfalls könne die Branche aber vom hohen Ölpreis und Absatzproblemen ihrer Hauptabnehmer aus gebremst werden.

Deshalb werden die Quartalszahlen der US-Konzerne Dow und Dupont, die morgen veröffentlicht werden, genau so gespannt erwartet wie ihre Ertragsprognosen. Die US-Chemie profitiert von einer seit Ende 2003 anziehenden Nachfrage. Inzwischen steigt der Absatz vieler Produkte mit zweistelligen Raten. Konzerne wie Dow Chemical, Lyondell und Equistar verdienen mit Basischemikalien so viel wie lange nicht mehr, berichtet die Ratingagentur Fitch. „Der jahrelange Abwärtstrend der Chemie ist 2004 ausgelaufen“, meint Fitch-Analyst Randall Biang.

Doch gerade die US-Chemie leidet unter Überkapazitäten, räumt Biang ein. Zudem drängt immer mehr Billig-Konkurrenz auf den Markt. So versuchen vor allem chinesische Chemiefirmen, mit Niedrigpreisen im Ausland zu wachsen. Auch Europas Chemie scheint inzwischen vom Aufschwung zu profitieren, obwohl Firmen wie Degussa noch zur Vorsicht mahnen: Immerhin berichtete der US-Kunststoffhersteller A. Schulman jüngst von kräftiger Nachfrage aus Deutschland. Doch sehen Morgan Stanleys Branchenexperten die „Absatzmengen im zweiten Halbjahr bedroht“. Grund dafür seien die Schwierigkeiten der Auto- und Bauindustrie. Bei Rohstoffpreisen, die ihre alten Preisspitzen von 1995 überträfen, drohe besonders in der Spezialchemie Margendruck.

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