Wirtschaft : Chemiebranche verteidigt Tarifautonomie

Arbeitgeber und Gewerkschaft lehnen pauschale Verlängerung der Arbeitszeit ab

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Berlin/Essen Die Chemie-Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) wollen die Tarifautonomie erhalten. Forderungen aus Union und FDP nach gesetzlichen Öffnungsklauseln, die Ausnahmen vom Flächentarifvertrag ermöglichen sollen, lehnten sie ab. Die Gesetzentwürfe seien „offensichtlich nicht in ihren Folgen durchdacht“, sagte der Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC), Rüdiger Erckel. Vielmehr würden sie die Verhältnisse gefährlich verkomplizieren und die Autorität der Tarifvertragsparteien verringern. „Der Branchentarif würde seine Friedens- und Schutzfunktion verlieren“, sagte Erckel.

Auch der Vorsitzende der IG BCE, Hubertus Schmoldt, betonte, Probleme sollten weiterhin durch Vereinbarungen der Tarifparteien gelöst werden und nicht durch gesetzliche Eingriffe.

So wie die Arbeitgeber und Gewerkschafter der Chemiebranche denkt auch die Mehrheit der deutschen Personalmanager: Sie wollen am Flächentarifvertrag festhalten, fordern aber mehr Flexibilität. Das hat eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der Universität Duisburg-Essen ergeben. Die Manager wollen Tarifverträge, die individuell durch Betriebsvereinbarungen ergänzt werden können. Befragt wurden 1000 Manager von Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten. Für den grundsätzlichen Beibehalt der Flächentarifverträge sprachen sich 59 Prozent aus, eine flexiblere Handhabung wünschten sich dabei 53 Prozent.

IG-BCE-Chef Schmoldt erklärte, in der Chemiebranche zeige sich, dass der Flächentarifvertrag kein starres Gebilde sei. So würden rund 13 Prozent der Betriebe von den Tarifparteien vereinbarte Öffnungsklauseln etwa für Korridore bei Arbeitszeiten und Entlohnung anwenden. Wie Schmoldt so lehnt auch der Arbeitgeberverband Chemie eine pauschale Verlängerung der Arbeitszeiten ab. Hier seien ebenfalls flexible Lösungen nötig, hieß es einstimmig.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters betonte, einen Weg zurück zur flächendeckenden 40-Stunden-Woche werde es nicht geben. „Das wäre das größte Arbeitsplatzvernichtungsprogramm, dass es je gegeben hat“, sagte er der Münchner „Abendzeitung“. dpa/ddp

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