Wirtschaft : Chemieindustrie in entscheidender Tarifrunde Gewerkschaft will schon heute Abschluss erreichen

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(alf). In der chemischen Industrie beginnt am Donnerstag in Hannover die entscheidende Runde in den Tarifverhandlungen. „Ich fahre nach Hannover, um zu einem Ergebnis zu kommen“, sagte Werner Bischoff, Verhandlungsführer der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) am Mittwoch dem Tagesspiegel. Da es „nur um Geld und um Ausbildung geht, können wir zügig eine Einigung erreichen“, meinte der Gewerkschafter. Die IG BCE fordert 3,5 Prozent mehr Lohn für die rund 580000 Chemiebeschäftigten und eine weitere Absprache über zusätzliche Ausbildungsplätze. Die Arbeitgeber dagegen wollen eine „Atempause bei den Entgelten“. Die Chemiefirmen könnten nicht eine mehrjährige Konjunkturflaute durchstehen, sich im internationalen Wettbewerb behaupten, die Beschäftigung sichern, die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen und gleichzeitig „auch noch von Jahr zu Jahr kräftige Tariferhöhungen bewältigen“, argumentieren die Arbeitgeber. Nicht mal ein Viertel aller Ende März befragten Unternehmen erwartetet für dieses Jahr eine positive Entwicklung, hat der Verband ermittelt.

IGBCE-Verhandlungsführer Bischoff räumte im Gespräch mit dem Tagesspiegel ein, dass im ersten Quartal die Chemiekonjunktur „nicht optimal“ verlaufen sei. Nach Angaben der Arbeitgeber sanken Umsätze und Beschäftigung der deutschen Chemiefirmen in den ersten Jahresmonaten um gut drei Prozent. Bischoff wies demgegenüber auf die Laufzeit des Tarifvertrags hin. „Wir machen einen Abschluss, der von Mai an über zwölf Monate gültig ist, also auch ins nächste Jahr reicht.“ Im Übrigen setze er „auf die optimistischen Konjunktursignale für den Rest des Jahres“. Die 3,5-Prozent-Forderung sei deshalb durchaus berechtigt und hebe die Stimmung an der Basis wieder.

Wie bereits in den vergangenen Jahren will die Chemiegewerkschaft auch in der laufenden Tarifrunde eine Abmachung über zusätzliche Ausbildungsstellen erreichen. Bischoff zufolge stellen die rund 1800 Chemiefirmen in jedem Jahr 8000 Lehrlinge ein, alle Lehrjahre zusammen komme die Branche auf eine Ausbildungsquote von rund fünf Prozent. Für 2003 hatten die Tarifparteien eine Erhöhung der Lehrstellenzahl um 1,1 und für 2004 um 1,7 Prozent verabredet, für das kommende Jahr peilt die Gewerkschaft ein Plus um 1,5 Prozent an. „Wenn die jeweiligen Erhöhungsquoten nicht erreicht werden, müssen die Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen“, sagte Bischoff. Offenbar funktioniert diese mehr oder weniger informelle Verabredung. „In der Chemie gilt das gesprochen Wort“, sagte Bischoff.

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