Chemiekonzern : Ein Mann der Zahlen führt BASF

Jürgen Hambrecht tritt 2011 als Vorstandsvorsitzender ab. Dann übernimmt Finanzvorstand Kurt Bock.

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Nicht vom Fach. Noch zeigt der Chemiker Hambrecht dem Betriebswirt Bock, wie der Laden läuft. Das ändert sich bald.
Nicht vom Fach. Noch zeigt der Chemiker Hambrecht dem Betriebswirt Bock, wie der Laden läuft. Das ändert sich bald.Foto: dpa

Berlin - Im Rennen um den Chefposten des weltgrößten Chemiekonzerns BASF hat sich das Unternehmen für einen Mann aus den eigenen Reihen entschieden: Der Aufsichtsrat habe den derzeitigen Finanzvorstand Kurt Bock zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Ernennung soll mit dem Ende der Hauptversammlung am 6. Mai 2011 wirksam werden. „Mit Kurt Bock übernimmt ein international erfahrener und vielseitiger Unternehmer die Führung der BASF. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen und dem weltweiten BASF-Team wird er den Erfolg des Unternehmens fortsetzen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau.

Analysten sehen in der Entscheidung ein Indiz, dass der Chemiekonzern weiter einen kapitalmarktorientierten Kurs steuern wird. Und anders als das Pharmaunternehmen Bayer, das mit Marijn Dekkers einen konzernfremden Manager geholt hat, setzt BASF auf Führungskräfte aus dem eigenen Haus.

Bock, der als detailverliebter Zahlenkenner gilt, löst den seit sieben Jahren amtierenden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht an der BASF-Spitze ab. Dass der 63-Jährige im kommenden Jahr abtritt, stand schon seit längerer Zeit fest. „Für mich ist 2011 Schluss“, hatte Hambrecht im vergangenen Jahr erklärt. Branchenkenner hatten die Entscheidung des Aufsichtsrats allerdings erst in einigen Wochen erwartet. Mit Bock steht nun ein Nicht-Chemiker an der Spitze des Konzerns – in der Nachkriegszeit war das bisher eher die Ausnahme. Letzter Nicht-Chemiker war der Jurist Jürgen Strube, der von 1990 bis 2003 Vorstandsvorsitzender von BASF war.

Der gebürtige Ostwestfale Bock studierte an den Universitäten in Münster und Köln sowie an der Pennsylvania State University in den USA Betriebswirtschaftslehre und fing bereits 1985 bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern an. Dort wurde der heute 51-Jährige nach kurzer Zeit Leiter des Stabes des BASF-Finanzvorstands. 1992 wechselte Bock zum Autozulieferer Bosch, wo er bis 1996 die Finanzen leitete und schließlich Geschäftsführer der Tochter in Brasilien wurde. 1998 kehrte Bock zu BASF zurück, zunächst als Chief Financial Officer der US-Tochter des Konzerns und zwei Jahre später als Leiter der Konzernlogistik. Seit 2003 ist der Vater von drei Kindern BASF-Finanzvorstand und seit 2007 zudem als CEO und Chairman der US-Tochter für das Nordamerikageschäft verantwortlich. Die Börse reagierte positiv auf die Berufung Bocks: Die im Dax notierte BASF-Aktie schloss leicht im Plus.

Neuer stellvertretender Vorstandschef soll der 49 Jahre alte Martin Brudermüller werden, der seit 2006 im BASF-Vorstand sitzt. Der Vizeposten war zuletzt nicht besetzt gewesen. Der Chemiker Brudermüller, seit 1988 bei BASF, war bisher ebenfalls als möglicher Nachfolger Hambrechts im Gespräch. Brudermüller ist im Vorstand unter anderem für die Region Asien zuständig. Wer für Bock und Brudermüller in den achtköpfigen BASF- Vorstand nachrückt, will der Aufsichtsrat Anfang 2011 entscheiden. Möglich ist, dass Hambrecht nach seinem Ausscheiden als Vorstandschef nach einer Übergangsphase in den Aufsichtsrat einziehen wird.

Hambrecht, 1946 in Reutlingen geboren, promovierte 1975 in Chemie an der Universität Tübingen. Vor seiner Ernennung als Vorstandschef 2003 arbeitete er fast 30 Jahre lang in unterschiedlichen Bereichen bei BASF. Hambrecht ist zudem Mitglied im Aufsichtsrat von Daimler und Lufthansa, Vizepräsident des Verbandes der Chemischen Industrie und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Der BASF-Chef wurde in der Öffentlichkeit oft als Stimme der gesamten deutschen Industrie wahrgenommen.

Auch der BASF-Konzern, der unter anderem Chemikalien und Kunststoffe produziert, litt 2009 unter der Krise. Der Umsatz sank um knapp ein Fünftel auf 50,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen ist in mehr als 80 Ländern mit Gesellschaften vertreten und betreibt weltweit mehr als 380 Produktionsstandorte. Der Chemiekonzern beschäftigt rund 105 000 Menschen, knapp 49 000 davon in Deutschland. mit dpa/rtr

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