Wirtschaft : China baut deutschen Transrapid aus

Strecke soll von Schanghai nach Hangzhou verlängert werden – davon könnte auch Berlin profitieren

Carsten Brönstrup

Berlin - China will seine Transrapid-Strecke in Schanghai um 180 Kilometer bis zur Nachbarstadt Hangzhou verlängern. Das habe der Staatsrat der Volksrepublik beschlossen, erklärten am Mittwoch übereinstimmend Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und der beteiligte Siemens-Konzern. Damit steht die deutsche Industrie vor einem Milliarden-Auftrag. Vermutlich werde er für neue Stellen hier zu Lande sorgen, erklärten Siemens und Thyssen-Krupp.

Die weltweit einzige Transrapid-Strecke verbindet seit 2003 den Flughafen Schanghai mit dem Wirtschaftszentrum der Stadt. Die 30 Kilometer lange Trasse, für die der Magnetzug acht Minuten benötigt, haben bereits mehr als sechs Millionen Passagiere benutzt. Sie hat gut 1,2 Milliarden Euro gekostet. Seit Jahren wird über eine Verlängerung verhandelt.

Die nun gefällte Grundsatzentscheidung sei noch keine Baugenehmigung, hieß es beim Konsortium. Nun müsse verhandelt werden, welche Partner welche Teile des Systems zu welchem Preis herstellen werden. Bei der Schanghai-Strecke seien 70 Prozent des Bauvolumens von China übernommen worden, in erster Linie der Fahrweg. Die übrigen 30 Prozent – Fahrzeuge, Antriebs- und Steuerungstechnik – seien aus Deutschland gekommen. „Das sind die entscheidenden, weil technisch hochwertigen Komponenten“, erklärte der Sprecher.

Der Auftrag wird vermutlich neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. „Wir müssen unser Personal dann wahrscheinlich aufstocken“, sagte ein Thyssen- Krupp-Sprecher dieser Zeitung. Wie stark, könne man erst nach den Verhandlungen über die Aufteilung der Produktion zwischen China und Deutschland sagen. Derzeit arbeiten im Transrapid- Werk in Kassel, wo die Fahrzeuge hergestellt werden, rund 160 Beschäftigte, weitere 160 sind bundesweit in der Entwicklung tätig. Um den ersten Teil der Strecke zu bauen, wurde das Personal laut Sprecher zeitweise auf bis zu 500 Mitarbeiter aufgestockt. Auch Berlin werde bei einer weiteren positiven Entwicklung profitieren, hieß es bei Siemens. In Treptow finde das Projektmanagement sowie die Zusammenführung der einzelnen Komponenten zur kompletten Bahn statt. Die Aktien von Siemens und Thyssen-Krupp stiegen am Mittwoch jeweils um 2,3 Prozent.

Angst vor Technikklau hat man nicht. Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sagte, er sehe keine Erkenntnisse, dass China die deutsche Technik widerrechtlich kopiert haben könnte. Vor kurzem war bekannt geworden, dass China einen eigenen Magnetzug entwickelt. Daraufhin hatte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gefordert, die Transrapid-Anbindung des Münchner Flughafens an den Hauptbahnhof zu beschleunigen. Allerdings streitet Stoiber mit dem Bund über die Finanzierung. Die 36 Kilometer lange Trasse soll 1,6 Milliarden Euro kosten. Der Bund will nur 550 Millionen Euro dafür geben und verlangt von Bayern, den Finanzierungsanteil aufzustocken.

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