Wirtschaft : China baut eigenen Transrapid

Die Magnetschwebebahn könnte dem deutschen Modell Konkurrenz machen

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Peking / Düsseldorf - China hat eine eigene Magnetschwebebahn entwickelt, die dem deutschen Transrapid Konkurrenz machen könnte. Im Juli soll die Bahn, die letztendlich 500 Stundenkilometer erreichen soll, auf einer 1,7 Kilometer langen Versuchsstrecke der renommierten Tongji Universität in Schanghai getestet werden. Nach Angaben der Chengdu Aircraft Industrial Group (CAC) ist die Entwicklung schon im fortgeschrittenen Stadium. Es seien aber „keine deutsche Technologie“ und keine deutschen Blaupausen verwendet worden, sagte Chefingenieur Zheng Qihui. „Alles ist chinesisch.“

Das deutsche Konsortium Transrapid- International (TRI) der Konzerne Siemens und Thyssen-Krupp reagierte auf die Nachricht gelassen. Auch Spekulationen, China habe den seit drei Jahren als Flughafenzubringer in Schanghai fahrenden Transrapid schlicht kopiert, wollte TRI nicht schüren: „Ob und inwieweit bei der chinesischen Entwicklung geschütztes deutsches Know-how zum Einsatz gekommen ist, ist nicht bekannt“, erklärte ein Sprecher. Das Prinzip der Schwebebahn sei ohnehin nicht geschützt, sondern nur Komponenten.

Konzernkreise in Deutschland wie in China bestätigten, dass die Pläne der Chinesen für eine Eigenentwicklung einer Magnetbahn seit langem bekannt seien. Dass sie gerade jetzt wieder über chinesische Tageszeitungen ins Gespräch gebracht worden seien, könne ein taktischer Schachzug im Vorfeld des Besuches von Bundesaußenminister Frank- Walter Steinmeier nächste Woche in Peking sein, hieß es inoffiziell.

Nach wie vor laufen hartnäckige Verhandlungen über eine Verlängerung der etwa 30 Kilometer langen Transrapid-Strecke in Schanghai mit deutscher Technologie. Die erfolgreiche Schwebebahn, die nach Angaben von TRI in drei Jahren fast sechs Millionen Fahrgäste befördert und im fahrplanmäßigen Betrieb eine Zuverlässigkeit von 99,92 Prozent erreicht hat, soll bis zur Weltausstellung in Schanghai im Jahr 2010 bis zum Expo-Gelände und möglicherweise bis ins 160 Kilometer entfernte Hangzhou weitergeführt werden. Neben dem Preis ist dabei vor allem der Technologietransfer der eigentlichen Schwebetechnik das zentrale Thema, das bei dem Ministerbesuch angeschnitten werden könnte.

Unterdessen hat die chinesische Seite Vermutungen eines Patentklaus vehement zurückgewiesen. „Das ist unmöglich. Die Bahn, die wir gebaut haben, ist ganz anders als die deutsche“, sagte Chefingenieur Zheng Qihui. „Im Grunde wissen wir nicht viel darüber, welche Technologie die deutsche Bahn hat.“

Die Neuentwicklung mit dem Projektnamen „CM1 Dolphin“ sei im Rahmen eines staatlich geförderten Hochtechnologieprogramms des Flugzeugbauers CAC entstanden. So benutze CAC Technologie aus der Luftfahrtindustrie, weshalb der Zug viel leichter sei als der Transrapid. CAC soll in den kommenden Jahren eine Airbus-Produktion des Modells A 320 aufbauen.

Nach Einschätzung des deutschen Transrapid-Konsortiums kann es sich bei dem chinesischen Konkurrenten erst um einen Prototypen handeln. Auf der relativ kurzen Teststrecke könnten zunächst nur Geschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometer erprobt werden. Der Entwicklungsstand sei keinesfalls vergleichbar mit dem deutschen Zug, der über Jahrzehnte aus einer ganzen Reihe von Prototypen zur Serienreife entwickelt wurde.

Allerdings wird im deutschen Konsortium darauf hingewiesen, dass die Chinesen wertvolles Know-how aus dem Betrieb des Transrapid in Schanghai gewinnen, das sie in ihrer Entwicklung umsetzen könnten. Aus der Sicht der Industriepartner sei dies nur wettzumachen, wenn es doch noch zu einer deutschen Transrapid-Anwendung käme. Die besten Aussichten dafür hat nach wie vor eine Flughafen-Verbindung in München.

Unabhängig vom Transrapid beklagte der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) einen „Technologie-Klau in China“. VDMA-Funktionär Christian Steinberger erklärte, dies verderbe deutschen Firmen zunehmend die Geschäfte in diesem Land. Illegaler Nachbau von Maschinen verursache einen Schaden von drei oder mehr Prozent des Jahresumsatzes. ek/and (HB)

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