China : Die Große Firewall – und wie man sie umgeht

Wer in China ein Café besucht, stellt schnell fest: Es ist meistens viel einfacher als in Deutschland, ins Internet zu kommen. Doch dann gibt es Sperren - Internetnutzer können sie knacken.

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Berlin - Fast alle Cafés und Hotels bieten frei empfangbares W-Lan an, weshalb zum Beispiel die Pekinger Lokale der Kette „Starbucks“ täglich eine ähnliche Laptop-Dichte aufweisen wie das Messegelände Hannover während der Cebit. Es würden sich auch nicht 360 Millionen Nutzer – 20,8 Prozent der Nutzer weltweit – in China für das Internet begeistern, wenn es schwer zugänglich wäre. Die Probleme beginnen erst nach dem Einloggen.

Offiziell gibt es keine Zensur in China. Das hatten die Verantwortlichen vor den Olympischen Spielen noch einmal betont. Lediglich die Jugend müsse vor schädlichen Inhalten wie Gewalt oder Pornografie geschützt werden, heißt es. Tatsächlich aber kann man bei einem Besuch in einem Pekinger Internet-Café feststellen, dass politisch sensible Themen im Netz nicht aufzurufen sind. Darunter fallen das Tiananmen- Massaker, Tibet, Taiwan sowie die in China verbotene Sekte Falun Gong. Auch die Internetseiten von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder die Seiten chinakritischer Medien wie des US-finanzierten Radio Free Asia können in China im Netz nicht gelesen werden. Hin und wieder werden auch die chinesischsprachigen Angebote der BBC oder der Deutschen Welle abgeschaltet. Dann erscheint der Hinweis: „Netzwerk-Zeitüberschreitung – der Server braucht zu lange, um eine Antwort zu senden.“ Die Große Firewall, wie die Internetnutzer die chinesische Zensur getauft haben, verhindert den Zugang.

Wer trotzdem auf diese Internetseiten angewiesen ist, kann die Große Firewall mit Hilfe einer VPN-Verbindung umgehen. Das ist eine Verschlüsselungstechnik, die sich auch in China einrichten lässt. Die Sekte Falun Gong bietet weitere Programme an, um die chinesische Zensur zu umgehen. Mit deren Hilfe lässt sich auch feststellen, warum eine Seite nicht aufrufbar ist: Liegt es an der Großen Firewall – oder ist es doch nur ein technisches Problem? Manchmal gibt es in China auch Schwierigkeiten, eigene E-Mails zu öffnen, MSN Hotmail hat sich beispielsweise als anfällig erwiesen.

Dass es tatsächlich nur einiger Anweisungen bedarf, um die Zensur zu lockern, zeigten die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Nach den Beschwerden des Internationalen Olympischen Komitees waren von einem Tag auf den anderen in Peking Internetseiten zugänglich, die zuvor jahrelang für die Nutzer gesperrt waren. „Ich finde, das ist ein guter Anfang“, sagte damals eine Reporterin der „Hongkong Economics Times“, „aber es muss auch so weitergehen“. Das ist nicht passiert.


Der Autor war 2007 Stipendiat des Asien-Programmes der Internationalen Journalisten-Programme und arbeitete 2008 für den Tagesspiegel in Peking als China- und Olympia-Korrespondent.

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