Wirtschaft : China erhöht Preise für Benzin und Diesel

Protest an Tankstellen / VW erwartet keine Einbußen

Peking/Berlin - Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile über SMS und doch waren viele chinesische Autofahrer überrascht: Über Nacht hatte die Regierung am Freitag plötzlich die Benzinpreise angehoben. Normalbenzin kostete 16 Prozent mehr, Diesel 18 Prozent – der größte Preisschub, den es je an einem Tag gegeben hatte. In Schanghai und Peking waren viele Autofahrer so erbost, dass Polizisten die Tankstellen bewachten. Die Kunden hatten versucht, noch vor der Erhöhung ihre Tanks zu füllen, so dass sich lange Schlangen bildeten und nicht alle rechtzeitig Benzin bekamen.

Ein Liter Benzin oder Diesel kostet in China nun zwischen 6,20 und 7,17 Yuan, umgerechnet 58 bis 67 Eurocent. Gemessen an der Kaufkraft der Chinesen entspricht dies jedoch einem Preis von sechs bis sieben Euro in Deutschland. Die für Preise verantwortliche Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) begründete die Steigerung mit den stark angestiegenen Ölpreisen auf dem Weltmarkt. Weil das Benzingeschäft für die Raffinerien nicht mehr profitabel sei, hätten manche die Produktion eingestellt – daher sei es zu Engpässen an den Tankstellen gekommen. Seit 2003 hat sich der Benzinpreis in China verdoppelt.

Im Autofahrerparadies USA, wo sich der Benzinpreis im selben Zeitraum von 1,74 auf über vier Dollar pro Gallone (3,78 Liter) ebenfalls mehr als verdoppelt hat, lassen immer mehr Menschen das Auto stehen. Der kalifornische Stadtbahnbetreiber Metrolink meldete am Donnerstag Rekordfahrgastzahlen: ein Plus von 15,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Zugleich sank die Zahl der auf den Highways zurückgelegten Kilometer landesweit um 1,5 Prozent, wie die US-Autobahnverwaltung mitteilte.

Autos werden trotzdem gekauft. So meldete VW am Freitag einen weltweiten Auslieferungsrekord. In den ersten fünf Monaten 2008 verkaufte der Konzern 1,57 Millionen Pkw – 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Umsatzstärkster Markt war China vor Deutschland und Brasilien. In China legte der Verkauf sogar um 18,8 Prozent auf 372 000 Pkw zu.

„Wir glauben nicht, dass die Benzinpreiserhöhung in China spürbare Auswirkungen für uns hat“, sagte VW-Sprecherin Christina Merzbach. Denn das sei auch bei vergangenen Preiserhöhungen nicht der Fall gewesen. Die steigende Inflation mache sich in China eher bei Grundnahrungsmitteln bemerkbar. „In diesem Jahr wollen wir in China erstmals eine Million Wagen verkaufen“, sagte Merzbach. 2007 habe man dort 910 491 Pkw der Marken VW, Audi und Skoda verkauft. maa/kph

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