Wirtschaft : „China hat einen enormen Energiehunger“

10.12.2011 21:45 Uhr
Foto: Daniel Morsey
Foto: Daniel Morsey

Frau Kemfert, welches Risiko stellt der Klimawandel in China für das Wachstum des Landes dar?



Der enorme Energiehunger der chinesischen Volkswirtschaft führt dazu, dass immer mehr Kohlekraftwerke im Einsatz sind, sodass die Treibhausgasemissionen und die Umweltverschmutzung weiter zunehmen. Wenn Wasser und Energie knapp werden und Wüsten sich weiter ausbreiten, wird das Chinas Entwicklung massiv beeinträchtigen.

Was müsste China ändern, damit es nachhaltig wächst?

China hat schon begonnen, in Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu investieren.

Das Land ist heute zwar weltweit der größte Treibhausgasemittent, zugleich aber der Weltmarktführer bei Fotovoltaik. Zukünftig müssen die Städte deutlicher weniger Energie verbrauchen, der Anteil von Elektrofahrzeugen muss erhöht und der öffentliche Personennahverkehr gestärkt werden. Der Ressourcenverbrauch muss entkoppelt werden vom Wirtschaftswachstum, ansonsten wird es kaum aufrechtzuerhalten sein.

Wie viel Zeit bleibt dem Land, um seine Energieerzeugung umzustellen?

Das Land hat sich vorgenommen, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis zum Jahre 2020 zu verdoppeln. Das ist ein guter Anfang und es wäre wichtig, dass dies so umgesetzt wird.

350 Millionen Menschen wollen in den nächsten Jahrzehnten vom Land in die Städte ziehen, Autos kaufen, in beheizten Wohnungen leben. Was bedeutet das für den CO2-Ausstoß?

Wenn die Städte nicht konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden, wird China noch mehr massive Umwelt- und Klimaprobleme bekommen.

Die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, nachhaltiger zu wachsen, blockiert aber auf internationaler Ebene seit Jahren die Vereinbarungen.

China ist global gesehen nicht allein für den Klimawandel verantwortlich. Die Industriestaaten allen voran die USA, aber auch Europa, Australien, Japan oder Kanada haben in der Vergangenheit sehr viele Treibhausgase emittiert. Pro Kopf liegt China noch immer weit hinter den größten Emittenten, insbesondere den USA, und gleicht sich erst so langsam den Pro-Kopf-Emissionen Europas an.

Glauben Sie, dass der Wandel im Land auch ohne internationale Reduktionsverpflichtungen gelingen kann?

Ich glaube schon, aber es bedarf starker politischer Führung. Bi- oder multilaterale Abkommen können hier helfen. Es gibt zudem einen großen wirtschaftlichen Anreiz: China will Marktführer in allen nachhaltigen Energie- und Mobilitätsmärkten werden und das schafft Werte und Arbeitsplätze.

Die Fragen stellte Jahel Mielke

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist Professorin für Energieökonomie an der Hertie School of Governance.

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