Wirtschaft : China ist für die Transrapid-Planer keine Alternative

BERLIN (chi)."China ist für den Transrapid noch sehr weit weg." Mit diesen Worten wies der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Michael Donnermeyer, am Montag alle Spekulationen zurück, die Referenzstrecke für den umstrittenen Magnetschnellzug könnte statt in Deutschland demnächst in China gebaut werden.Eine Entscheidung darüber könnte schon beim Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder Anfang Mai in Peking fallen, hatte der "Spiegel" am Montag berichtet.

Laut Donnermeyer zählt China neben Australien und den USA zu jenen Ländern, die am Transrapid Interesse gezeigt haben.Konkrete Planungen gebe es aber nicht.Vor allem seien all diese möglichen Projekte "keine Alternative für die Referenzstrecke Berlin-Hamburg", sagte er.Ähnlich reagierte auch das Herstellerkonsortium.Ohne Referenzstrecke in Deutschland, auf der die "Alltagstauglichkeit" des Transrapids bewiesen werden kann, sei eine Vermarktung im Ausland nicht möglich, sagte Peter Wiegelmann, Sprecher der Transrapid International, dem Gemeinschaftsunternehmen von Thyssen, Siemens und Adtranz.

Wiegelmann zufolge gibt es seit längerem Gespräche mit China über verschiedene Projekte, darunter eine lange Verbindung zwischen Peking und Schanghai sowie eine kurze zwischen Flughafen und Bahnhof in Peking.Entscheidungen seien aber in naher Zukunft nicht zu erwarten.Auch in den USA hätten mehrere Bundesstaaten Interesse angemeldet.Doch zeigten sich die Gesprächspartner im Ausland zunehmend "irritiert" von den anhaltenden Diskussionen in Deutschland, betonte Wiegelmann.

Unter Druck kommt unterdessen der Vorstand der Deutschen Bahn AG.Mitglieder des Aufsichtsrates, darunter die Arbeitnehmervertreter sowie der verkehrspolitische Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, Albert Schmidt, haben Bahnchef Johannes Ludewig aufgefordert, das Gremium bei der nächsten Sitzung am 11.Mai über den aktuellen Stand der Überlegungen zu informieren.Dies habe Ludewig zugesichert, sagte Schmidt dem Tagesspiegel.Für Unruhe sorgen interne Untersuchungen der Bahn, wonach die bisher prognostizierten Passagierzahlen um 28 Prozent nach unten korrigiert werden müssen (Tagesspiegel vom 27.März).Gleichzeitig erwarten die Autoren der Studie, daß der Bau der Strecke um ein bis zwei Mrd.DM teurer wird als bislang kalkuliert wurde - statt 6,1 Mrd.DM könnte die Strecke 8,2 Mrd.DM kosten.Zu ähnlichen Ergebnissen war auch schon das Eisenbahnbundesamt gekommen.Dies stelle die Wirtschaftlichkeit des Projektes insgesamt in Frage, sagte Schmidt dem Tagesspiegel.Der Aufsichtsrat habe die Pflicht, diese Kalkulationen zu überprüfen.Es dürfe nicht sein, daß die Bahn als Betreiberin der Magnetschnellbahn "ein unvertretbares Risiko" übernehme.

Laut dem im Frühjahr 1997 von Bund, Bahn und Herstellerkonsortium unterzeichneten "Eckpunktepapier" muß das Schienenunternehmen aus den Fahrkartenerlösen nicht nur die eigenen Betriebskosten abdecken, sondern darüber hinaus den Herstellern und den Bund ein fixes "Nutzungsentgelt" zahlen.Für Mindereinnahmen - etwa wegen geringerer Passagierzahlen - haftet allein die Bahn.

Als "Trickserei" bezeichnete Schmidt zugleich Überlegungen, die Transrapid-Strecke nur einspurig zu bauen, um das von der Bundesregierung gesetzte Kostenlimit von 6,1 Mrd.DM einzuhalten."Ein gleicher Preis bei halber Leistung ist ein doppelter Preis", sagte Schmidt.Bei einer einspurigen Streckenführung würde zudem jede Panne zu einem 100prozentigen Ausfall führen."Das ist mit uns nicht zu machen."

Im Bundesverkehrsministerium läßt man sich davon nicht beirren.An den Gesamtkosten des Projekts "wird noch gerechnet", hieß es.

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