Wirtschaft : China kommt der WTO-Mitgliedschaft näher

Welthandelsorganisation: "Mitgliedschaft zwingend" / Handelspartner würden stark profitieren

HONGKONG (AFP/dpa).Eine Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) ist nach Auffassung der Weltbank "zwingend" für China und den Rest der Welt.In dem Bericht "China 2020: Herausforderung der Entwicklung im neuen Jahrhundert", den die Weltbank am Donnerstag in Hongkong veröffentlichte, heißt es, nicht nur China, sondern auch alle übrigen Staaten würden von einer Aufnahme profitieren.Es handele sich um eine Chance und keine Bedrohung.Grund dafür sei der riesige Markt, den China biete.Gleichzeitig wurden in dem Bericht zwei verschiedene Szenarien für die Entwicklung des Landes entworfen.Die pessimistische Variante geht von einem China aus, das aufgrund der Landflucht und dem wachsenden Graben zwischen arm und reich von Instabilität geprägt ist.In der optimistischen Version hält die Kommunistische Partei an den Reformen fest und China wird "wettbewerbsfähig". "Bislang hat sich die politische Führung für den Weg der Reformen entschieden und gegen Lethargie, wir glauben, daß es so weitergeht", sagte der für China zuständige Weltbankdirektor Yukon Huang.Bis zum Jahr 2020 könne China laut dem Bericht "die zweitwichtigste Handelsnation der Welt werden". Die Weltbank weist aber auch auf die Umweltprobleme des Landes hin, die zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen führen könnten.So sei die durch den Verkehr verursachte Umweltverschmutzung in Los Angeles und Peking gleich, obwohl es in der chinesischen Hauptstadt nur ein Zehntel der Fahrzeuge der kalifornischen Metropole Los Angeles gebe. China hatte vor zehn Jahren einen Beitrittsantrag zu der Welthandelsorganisation gestellt.Die Verhandlungen über die Aufnahme kommen jedoch nicht voran.Nach Abschluß der fünften Gesprächsrunde in Genf Anfang August erklärte der chinesische Chefunterhändler Long Yongtu, sein Land wolle der WTO spätestens im September ein neues Angebot unterbreiten, um sich stärker für ausländische Dienstleister zu öffnen.Dies war bislang einer der Stolpersteine in den Verhandlungen.Nach Ansicht der Weltbank könnten die Handelspartner Chinas doppelt so hohe Gewinne aus dem WTO-Beitritt des Landes ziehen wie die Volksrepublik selbst. In den Verhandlungen mit der WTO bot China zuletzt an, den durchschnittlichen Zolltarif für chemische Produkte, Textilien, Autos, Autoteile, Papier, elektrische Geräte und landwirtschaftliche Erzeugnisse von 23 auf 15 Prozent zu senken.Westliche Diplomaten bewerteten den Vorschlag als ungenügend.Die Europäische Union plädiert für einen durchschnittlichen Tarif von acht Prozent.Weiter erklärte sich China bereit, die geltenden Importquoten für 86 Güter, unter anderem Autos und Autoteile, in acht statt, wie bisher geplant, zwölf Jahren abzuschaffen.China will auch schweren Herzens auf Exportsubventionen für eigene landwirtschaftliche Produkte verzichten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, China habe die Kraft, die zu erwartenden Probleme der kommenden zwanzig Jahre zu überwinden."Ein Fünftel der Menschheit hat es dann in der Hand, die Ketten der Armut abzuschütteln und die beeindruckendste wirtschaftliche Umwandlung abzuschließen, die die Welt je gesehen hat." Als die weltweit am schnellsten wachsende Wirtschaftskraft erzielte China seit Beginn der Wirtschaftsreformen 1978 im Schnitt ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 9,4 Prozent und weitreichende Verbesserungen für den Lebensstandard seiner jetzt 1,3 Milliarden Einwohner.So sei der Anteil der Chinesen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, um 60 Prozent zurückgegangen.Die Analphabetenquote liege inzwischen unter zehn Prozent.Fast verzwanzigfacht haben sich seit 1978 die ausländischen Investitionen im Reich der Mitte: 1996 wurden 38 Mrd.US-Dollar ausländische Direktinvestitionen registriert, mit denen China weltweit auf Platz zwei hinter den USA steht.

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