Wirtschaft : China muss erwachsen werden

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Wenn China für sich beanspruchen will, eine Großmacht zu sein, wird es sich auch entsprechend verhalten müssen. Derzeit kann davon jedoch keine Rede sein: China zieht es vor, in zwei globalen Krisen das Ziel zu verfehlen – es attackiert gleichzeitig Amerikas „einseitigen" Vorstoß gegen den Irak und sein multilaterales Vorgehen gegen Nordkorea.

Chinas Mäkelei in Sachen Irak ist eher lästig als tatsächlich ein Hindernis. Aber wenn man bedenkt, dass Nordkorea den drohenden Krieg wahrscheinlich nutzen wird, um Raketen mit weiter Reichweite zu testen, seine Wiederaufbereitungsanlage für Plutonium wieder in Betrieb zu nehmen oder auf andere Weise die Entschlossenheit der USA auf die Probe zu stellen, kann es sein, dass China der Welt noch mehr Kopfschmerzen bereiten wird als Jaques Chirac. Es müsste eigentlich offensichtlich sein, dass es nicht in Chinas Interesse liegen kann, einen mit Atomwaffen ausgestatteten Verrückten zum Nachbarn zu haben. Warum also nutzt Peking nicht seinen Einfluss, um Kim Jong Il dazu zu bringen, seine früher eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen? Die Standardantwort lautet: China will keinen Zusammenbruch Nordkoreas, weil es eine Flut von Flüchtlingen fürchtet und einen „Pufferstaat" zwischen sich und dem Verbündeten der USA, Südkorea, haben will. Das mag sein, ist aber nur die halbe Wahrheit.

China hat erkannt, dass die Tage Nordkoreas gezählt sind und hat sich opportunistisch bereits auf die Seite des Siegers, Südkorea, geschlagen. Und weil Seoul nicht hart gegen Pjöngjang vorgehen will, zögert auch China. Das ist zu kurz gedacht, besonders, wenn Kim Jong Il seine Provokationen fortsetzt. Auf lange Sicht wird ein in einer Demokratie vereinigtes Korea eine geringere strategische Bedrohung für China sein als ein verrückter Norden.

China hat eine Krise vor der Tür, die eine gute Zusammenarbeit mit dem Rest der Welt verlangt. Der beste Weg, eine Katastrophe zu verhindern, wäre, die Beseitigung des verrückten NuklearOnkels in Pjöngjang, der jedermann bedroht. Wenn China in den kommenden Tagen zu dieser Einsicht gelangen könnte, dann wäre es seinem Ziel, als verantwortungsbewusste Weltmacht respektiert zu werden, einen gewaltigen Schritt näher.

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