Wirtschaft : China pocht auf Hilfe für arme Länder

Westen soll sich aber nicht einmischen / IWF-Tagung eröffnet

HONGKONG (AP/dpa).Der chinesische Ministerpräsident Li Peng hat sich abermals strikt gegen die Verknüpfung von internationalen Wirtschaftsbeziehungen mit westlichen Demokratiestandards ausgesprochen.In seiner Eröffnungsrede für die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Dienstag sagte er, kein Land habe das Recht, ein anderes mit Sanktionen zu belegen."Wirtschaftliche Hilfe darf nicht an politische Bedingungen gekoppelt werden", betonte Li Peng. IWF-Direktor Michel Camdessus erteilte in seiner Rede erwartungsgemäß Forderungen einiger Entwicklungs- und Schwellenländer nach stärkerer Beschränkung der internationalen Finanzmärkte eine Absage.Der freie Kapitalverkehr berge zweifellos Risiken, doch es gebe keine bessere Grundlage für Wohlstand als Freiheit, sagte Camdessus.Das galt als Erwiderung auf den am Wochenende vorgetragenen Vorschlag des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamed, Privatpersonen und -unternehmen den Devisenhandel ganz zu verbieten. Die Jahrestagung von IWF und Weltbank in Hongkong dauert bis Donnerstag.An der ersten internationalen Konferenz in der Wirtschaftsmetropole seit der Rückgabe an China nehmen Delegationen aus mehr als 180 Staaten aller Kontinente teil. Viel Platz widmete Li, der als Anwalt der Entwicklungsländer auftrat, in seiner Begrüßungsrede Forderungen an die reichen Staaten, mehr für die Dritte Welt zu tun.Nach dem Ende des Kalten Krieges betrachteten viele Leute die Entwicklungshilfe nicht mehr als wichtiges Ziel, beklagte der Pekinger Regierungschef.Doch die Welt könne die Bedürfnisse der Entwicklungsländer nicht ignorieren, sondern müsse vielmehr ihre Sorgen über die Finanzmärkte, die Verschuldung, Handel, Umweltschutz und Armut ernst nehmen.Dabei dürften aber die reichen Länder ihr System nicht anderen Staaten überstülpen, sagte Li.Dieser Seitenhieb galt vor allem den USA.Sie drohen ihren Handelspartnern immer wieder mit Sanktionen, sollten Verhandlungen nicht zu den amerikanischen Bedingungen abgeschlossen werden.Im Fall Chinas drängt Washington seit Jahren auf die Achtung von Menschen- und Sozialrechten sowie Copyrightbestimmungen und auf eine stärkere Öffnung des riesigen chinesischen Marktes. Weltbank-Präsident James Wolfensohn pflichtete in seiner Ansprache Li teilweise bei.Zwar habe es in den vergangenen Jahren große Fortschritte in vielen unterentwickelten Regionen der Erde gegeben, und die Wachstumsperspektiven seien günstig.Aber noch immer lebten drei Milliarden Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag und einhundert Millionen hungerten.Wolfensohn räumte ein, daß Entwicklungslösungen örtliche Gegebenheiten respektieren nicht von außen aufgedrückt werden dürften.Zugleich mahnte er aber die vielen autoritären und undemokratischen Regierungen in der Dritten Welt, wirtschaftlicher Erfolg hänge von einer offenen und ehrlichen politischen Führung ab.Die Weltbank werde deshalb Ländern die Unterstützung kürzen, die nicht entschlossen die Korruption bekämpften.Auch Camdessus erklärte, der Fonds werde in Ländern mit Korruption Hilfe stoppen oder verzögern. Bundesfinanzminister Theo Waigel beteuerte, der Euro werde "anderen Währungen an Stabilität nicht nachstehen".Ein starker Euro sei der Beitrag Europas zur Stabilität des internationalen Währungssystems und zum Wohlstand in der Welt."Wenn die EU-Mitgliedsstaaten ihre Hausaufgaben nachhaltig erfüllen, wird die Währungsunion pünktlich am 1.Januar 1999 beginnen", betonte Waigel.

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