Wirtschaft : China pokert beim Transrapid

Spekulationen über das Aus für neue Magnetbahnstrecke – das Konsortium bleibt aber optimistisch

Harald Maass,Bernd Hops

Peking/Berlin - Die Verhandlungen über eine Verlängerung der Magnetbahnstrecke in Schanghai stehen kurz vor dem Scheitern – darüber wurde jetzt in der chinesischen Zeitung „Wirtschaftsbote des 21. Jahrhunderts“ spekuliert. Der Vizedirektor der zuständigen Reform- und Entwicklungskommission in der Provinz Zhejiang, Chai Xianlong, erklärte demzufolge, dass das Transrapidprojekt „nicht dringlich“ sei. Ein Sprecher des Konsortiums, zu dem Thyssen-Krupp und Siemens gehören, sagte jedoch: „Die Gespräche mit den Kunden laufen weiter.“ Es gebe einen „guten Dialog“, sagte der Sprecher dem Tagesspiegel am Freitag. Man sei für die Strecke „nach wie vor optimistisch“.

Die Bundesregierung betonte jedoch, sie wolle den Ausbau „nicht um jeden Preis“. Die chinesische Seite hält den eigentlich für dieses Jahr geplanten Baustart nach Informationen der dpa für mittlerweile unwahrscheinlich.

Deutschland und China verhandeln seit mehr als drei Jahren über den Ausbau der Schanghaier Transrapidstrecke, die bislang nur vom Flughafen an die Stadtgrenze führt. Geplant ist dabei eine Anbindung des Magnetschwebezugs bis in die 175 Kilometer entfernte Nachbarstadt Hangzhou. Im vergangenen März beschloss der Staatsrat eine Machbarkeitsstudie, was in der Regel der erste Schritt für den Bau eines solchen Großprojektes ist. Ministerpräsident Wen Jiabao unterstrich beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (siehe Kasten) das grundsätzliche Interesse Chinas an einem Ausbau: „Die chinesische Seite ist gerne bereit, im Bereich des Transrapids weiterhin mit Deutschland zusammenzuarbeiten."

Die Details sind jedoch umstritten: Deutschland will China die Technologie gegen eine Lizenzgebühr liefern. Peking hält die Preisvorstellungen der Deutschen jedoch für zu hoch und fordert einen Technologietransfer. Der Transrapid in Schanghai war einst das Lieblingsprojekt des Ministerpräsidenten Zhu Rongji. Er setzte das Projekt gegen den Willen des Eisenbahnministeriums durch und weihte persönlich zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder die Strecke ein. Unter der neuen Regierung um Ministerpräsident Wen Jiabao, einem eher kühlen Rechner, ist die Begeisterung in China für den Transrapid spürbar abgekühlt. mit dpa

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