Wirtschaft : China setzt auf Kanada

Übernahme eines Öl- und Gasunternehmens.

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Ottawa - Kanadas Regierung hat die umstrittene Übernahme von zwei kanadischen Öl- und Gasunternehmen durch Staatsunternehmen Chinas und Malaysias genehmigt. Künftig erschwert sie aber Investitionen ausländischer Staatsunternehmen im Ölsand, wenn diese dadurch die Kontrolle über kanadische Unternehmen bekommen können. Kanada stehe nicht zum Verkauf an ausländische Regierungen, sagte Premierminister Stephen Harper.

Nach einem mehrwöchigen Prüfverfahren gab die konservative Regierung am Wochenende bekannt, dass sie der Übernahme des Öl- und Gasunternehmens Nexen durch die mehrheitlich vom chinesischen Staat kontrollierte China National Offshore Oil Company (CNOOC) und von Progress Energy Resources durch die malaysische Petronas zustimmt. Die Nexen-Übernahme ist mit umgerechnet knapp zwölf Milliarden Euro das bislang größte Engagement eines chinesischen Unternehmens in Kanadas Rohstoffsektor und die bisher größte Übernahme durch ein staatliches Unternehmen Chinas im Ausland. Nexen ist im Ölsand Albertas, in der Nordsee, in Westafrika und im Golf von Mexiko aktiv. Petronas zahlt für die in der Erdgasförderung tätige Progress umgerechnet 4,6 Milliarden Euro.

Ausländische Investoren hatten gespannt auf die Entscheidung gewartet, die als Indikator gilt, wie Kanada zu Investitionen des Auslands in seinem Rohstoffsektor steht. Die Prüfung durch Industrieminister Christian Paradis ergab, dass die Nexen- und Progress-Übernahme Kanada zwar unterm Strich nütze, erklärte die Regierung – trotzdem ging der Premierminister selbst vor die Presse, um neue, strengere Richtlinien für künftige Fälle dieser Art zu erläutern. Kanada sei zwar offen für ausländische Investitionen, sagte Harper. Der kanadische Staat habe seine Beteiligung an inländischen Unternehmen aber nicht abgebaut, um nun zuzusehen, dass sie von ausländischen Regierungen gekauft und kontrolliert würden. Investitionen des ausländischen Privatsektors seien weiter willkommen, auch ausländische Staatsunternehmen seien gern gesehen, aber nur solange sie nicht die Kontrollmehrheit erwerben, erklärte Harper.

Die Übernahme kanadischer Ölsandunternehmen durch ausländische Staatsunternehmen werde „nur unter außergewöhnlichen Umständen“ genehmigt, sagte Harper. Bei Übernahmeangeboten soll geprüft werden, wie weit die ausländische Regierung Kontrolle und Einfluss auf das staatseigene Unternehmen ausübt. So sollen Investitionen von Konzernen, die zwar mehrheitlich in Staatsbesitz sind, aber unabhängig von ihm agieren, nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Offenbar macht Harper damit einen Unterschied zwischen Unternehmen wie der norwegischen Statoil und chinesischen Konzernen wie CNOOC, Petro China und Sinopec. Gerd Braune

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