Wirtschaft : China stärkt dem Euro den Rücken

Li Peng: Gegengewicht zum Dollar / Umtausch eines Teils der Devisenreserven in Euro angekündigt / IWF-Tagung HONGKONG (wei/AFP). Der chinesische Ministerpräsident Li Peng hat in einem Gespräch mit Bundesfinanzminister Theo Waigel in Hongkong die Einführung des Euro begrüßt.Li Peng befürwortet eine zweite wichtige Reservewährung neben dem US-Dollar für das Weltwährungssystem, wie eine Sprecherin Waigels am Montag sagte.Der Finanzminister habe sich angenehm überrascht über das chinesische Interesse an der Währungsunion gezeigt.In dem halbstündigen Treffen der beiden Politiker im Vorfeld der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die Li als Gastgeber am Dienstag in Hongkong formal eröffnen soll, sprach sich der chinesische Regierunsgchef zudem für gute Beziehungen zu Deutschland aus. Waigel, der französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn und der zuständige EU-Kommissar Yves-Thibault de Silguy hatten zuvor im Interimsausschuß des IWF über den Stand der Vorbereitungen für die Währungsunion berichtet.Nach Ansicht der Fondsmanager seien die Voraussetzungen für die Einführung des Euro geschaffen, sagte Waigel nach der Sitzung des Interimskommittees.Besonders die Entwicklungsländer hätten deutlich gemacht, daß sie am Euro als zweiter, großer Reservewährung interessiert seien.Auch die privaten Banken sind zuversichtlich, daß sich der Euro zu einer Anlagewährung entwiêkelt, die dem Dollar ebenbürtig ist.Der Chef der Deutschen Bank, Rolf E.Breuer, geht davon aus, daß sich die weltweiten Anlagen langfristig zu gleichen Teilen auf den Euro und den Dollar verteilen werden.Er und die Sprecher der anderen deutschen Großbanken sehen darin erhebliche Wachstumschancen für die Kreditwirtschaft.Sie gehen davon aus, daß alle internationalen Investoren einen Teil ihrer Mittel in Euro anlegen werden.Dagegen fielen die Einbußen durch den Wegfall von Devisenoperationen in europäischen Währungen nicht ins Gewicht. EU-Währungskommissar de Silguy sagte seinerseits nach einem Treffen mit dem chinesischen Zentralbankpräsidenten Dai Xianglong und dem Chef der Hongkonger Währungsbehörde, Joseph Yam, China sei bereit, einen kleinen Teil seiner derzeit rund 126 Mrd.Dollar betragenden Devisenreserven in Euro umzutauschen.China wolle damit ein Gegengewicht zum Einfluß der USA haben, sagte de Silguy.Hongkong wolle dagegen mit einer ähnlichen Entscheidung warten. Unterdessen bekräftigte der französische Finanzminister, daß nach seiner Ansicht zehn bis elf EU-Staaten in der Lage sein werden, von Beginn der Währungsunion 1999 an teilzunehmen.Frankreich sei dabei an einem stabilen Euro interessiert: Um einen stabilen Wechslkurs der neuen Währung zu garantieren, müsse "für einige Wochen oder Monate" auch eine gewisse Überbewertung in Kauf genommen werden.Strauss-Kahn betonte, Frankreich werde in diesem Jahr das Staatsdefizit, wie im Maastrichter Vertrag gefordert, auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken. Zur Krise der ostasiatischen Tigerstaaten gab es in Hongkong viele pessimistische Äußerungen: Die Hoffnung, daß die Thailand-Krise ein einmaliger Betriebsunfall bleibt, dessen Folgen durch das rasche Eingreifen des IWF begrenzt sind, hat in Hongkong fast niemand mehr."Uns alle treibt die Angst um.Thailand könnte nur der erste Dominostein sein, der umfällt, und die Gefahr, daß Latein-Amerika als nächstes umfällt und am Ende auch Europa erwischt, kann niemand vom Tisch wischen," räumt Rolf E.Breuer freimütig ein.Das hängt auch damit zusammen, daß der Aufschwung der Weltwirtschaft ­ wie der IMF feststellt ­ in Gang gekommen ist, aber noch längst nicht auf sicheren Füßen steht.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar