Wirtschaft : China überholt die USA, prognostiziert Ex-Botschafter Konrad Seitz

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China steckt in der Krise: Überbevölkerung, Arbeitslosigkeit, Korruption und Umweltverschmutzung machen dem Land der Mitte schwer zu schaffen. Trotzdem prophezeit Konrad Seitz, Buchautor und deutscher Botschafter in China von 1995 bis Anfang 1999, der Volksrepublik eine große Zukunft voraus: "China ist seit Ende der siebziger Jahre die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Bis 2025 dürfte es die USA eingeholt haben", sagte er am Mittwochabend in Berlin. Thema seines Vortrages: "Wettlauf ins 21. Jahrhundert - Nach der japanischen eine chinesische Herausforderung?"

Nach einer Schätzung der Weltbank steige das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Volksrepublik zwischen 1995 und 2020 um durchschnittlich 6,6 Prozent. Zur Zeit liege China, so Seitz, auf Platz sechs oder sieben aller Volkswirtschaften. "Wenn China seine Krise überwindet, kommen mehrere Japans auf uns zu", sagte der ehemalige Botschafter voraus.

Wie das konkret geschehen soll, erklärte er nur vage: "Wenn Sie durch Pekings Straßen gehen, sehen Sie überall junge Menschen. Die sind wissbegierig, leidensfähig und hoffnungsvoll, dass es bald aufwärts geht. Sie haben einfach das Gefühl, die Chinesen werden es schaffen."

Stark sei das Land bei der Entwicklung von Vermittlungssystemen für Telekommunikation und Internet, sagte der Ex-Diplomat. Hier habe es in der letzten Zeit ein Spitzenniveau erreicht. "In vier Jahren stößt China in die Weltklasse der Hochtechnologieländer vor", zeigte sich der ehemalige Botschafter überzeugt. Auch chinesische Softwareentwickler könnten sich mit Fachleuten anderer Länder messen lassen: "Sie sind billiger und arbeiten rund um die Uhr. Das macht sie auf Dauer unschlagbar."

Gleichzeitg ist in China das Trinkwasser nicht mehr genießbar, alle Fischbestände sind verseucht, neun der zehn Städte mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit liegen im Reich der Mitte. Dass das Land Potenzial zur volkswirtschaftlichen Weltmacht hat, konnte Seitz deutlich machen. Wie China seine existierenden Probleme in den Griff kriegen soll, sagte er nicht.

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