Wirtschaft : China vergibt Großaufträge

Deutsche Konzerne profitieren von der Merkel-Reise. Aber beim Transrapid gibt es noch keine Einigung

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Peking - Die Chinesen sind mit ihrem Vorhaben gescheitert, die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Druckmittel in Wirtschaftsverhandlungen zu nutzen. Die Kanzlerin hatte bei ihrem ersten Besuch in China die Devise ausgegeben, dass es keinen Abschluss um jeden Preis geben dürfte. So kam auch der erhoffte Transrapid-Auftrag am Montag nicht zustande, obwohl beide Seiten bis tief in die Nacht verhandelt hatten. Dabei sollte die Verlängerung der existierenden Transrapid-Strecke feierlich zum ersten Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in China unterschrieben werden – als kleines Begrüßungs-Bonbon.

Doch das prestigeträchtige Abkommen über die neue 170 Kilometer lange Strecke von Schanghai nach Hangzhou bleibt in der Schwebe. Man prüfe noch die technische Machbarkeit, druckste Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao herum. Schließlich gehe es um „eine hohe Investitionssumme“, deutete er das Problem der Finanzierung in den Verhandlungen mit den deutschen Konzernen Thyssen und Siemens an.

Von deutscher Seite hieß es, als beim Transrapid von Deutschland plötzlich Zuschüsse für das Milliardenprojekt und ein noch stärkerer Technologietransfer gefordert wurden, habe das deutsche Konsortium nicht mehr mitgemacht.

Dennoch zeigten sich beide Seiten zuversichtlich, dass eine Einigung noch in diesem Jahr gelingen könne. Dies ist nach den Worten von China-Siemens-Chef Richard Hausmann notwendig, damit die Transrapid-Verlängerung bis zur Weltausstellung 2010 in China fertig gestellt wird. Dennoch gab es keine Krisenstimmung bei Siemens: Gleich fünfmal konnte Konzernchef Klaus Kleinfeld in der Großen Halle des Volkes in Peking einen Vertrag unterschreiben. Der Münchner Konzern erhielt den größten Auftrag – eine Bestellung von 500 Lokomotiven. Diese sollen zwar in China mit einem Partner gebaut werden, doch der Auftragswert für Siemens liegt nach Angaben aus Firmenkreisen bei 500 Millionen Euro.

Unterschrieben wurden auch zwei Verträge für Handy-Netze. Siemens wird mit China Mobil und China Unicom in sieben Provinzen das bestehende Netz ausbauen. China ist der am stärksten wachsende Mobilfunkmarkt, jeden Monat kommen rund vier Millionen neue Handynutzer hinzu. Der Gesamtwert dieses Auftrages liegt bei 150 Millionen Euro.

Einen Erfolg konnte auch das Luftfahrtbündnis Star Alliance unter Führung der deutschen Lufthansa verbuchen. So trat die chinesische Fluggesellschaft Air China der Allianz bei. Binnen zwei Wochen hat sich damit nach Shanghai Airlines die zweite chinesische Fluggesellschaft dem weltweit größten Luftfahrtbündnis angeschlossen.

Auf der Strecke blieb hingegen ein Auftrag für den weltgrößten Chemiekonzern BASF über den Ausbau des Chemiestandortes in Nanjing. „Wir haben es einfach nicht mehr unter Dach und Fach bekommen“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Die Vergrößerung der Anlagenkapazität um 25 Prozent werde aber weiter verfolgt, die Verhandlungen mit Sinopec gingen weiter. Daneben gab es eine Reihe kleinerer Abschlüsse. So unterzeichnete Bahnchef Hartmut Mehdorn eine Grundsatzvereinbarung mit dem chinesischen Eisenbahnministerium über den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken mit konventioneller Bahntechnik. Für den Energieversorger Steag gab es einen Auftrag zur Lieferung von Sicherheitstechnik in Bergwerken. Ein Wert für das Geschäft wurde nicht genannt.

Im Kampf gegen Produktpiraten wurde ein Abkommen zwischen dem Gesamtverband der deutschen Textilindustrie und dem chinesischen Verband unterschrieben. Kopierer von Markenartikeln sollen künftig ausgeschlossen und von Messen verbannt werden. Allerdings zweifeln Experten die Umsetzung an, da es sich um eine Selbstverpflichtung der chinesischen Seite handelt. and/HB

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