China : Weltbank fordert Reformen

Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick hat die neue Studie "China 2030" vorgelegt. Darin fordert die Weltbank vor allem eines von China: Reformen. Ansonsten könne sich das Wirtschaftswachstums des Landes bald halbieren.

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Weltbankpräsident Robert Zoellick.
Weltbankpräsident Robert Zoellick.Foto: dpa

Einen besseren Zeitpunkt hätte Robert Zoellick für seine Nachricht nicht wählen können. Kurz vor dem Beginn des Nationalen Volkskongresses am 5. März hat der Präsident der Weltbank am Montag in Peking die Studie „China 2030“ vorgestellt. Darin legt Robert Zoellick der künftigen Führungsgeneration Chinas, die ab Herbst 2012 turnusgemäß Premierminister Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao in ihren Positionen in der Kommunistischen Partei und in ihren Regierungsämtern beerben wird, vor allem eine Aufgabe ans Herz: Reformen, Reformen, Reformen.

„Reformen sind zwingend notwendig, denn China hat einen Wendepunkt in seiner Entwicklung erreicht“, sagte der scheidende Weltbankpräsident Robert Zoellick in Peking. „Das gegenwärtige Wachstumsmodell des Landes ist nicht nachhaltig.“ Zwar prognostiziert die Studie, die in Zusammenarbeit mit einem Think Tank der chinesischen Regierung entstanden ist, dass Chinas Wirtschaft bis zum Jahr 2030 die USA überholen und zur größten Wirtschaft der Welt wachsen wird. Andererseits würden die Wachstumsraten stetig sinken und in den Jahren 2026 bis 2030 mit fünf Prozent nur noch knapp die Hälfte des aktuellen Wertes betragen. Auch werde die Zahl der arbeitenden Bevölkerung ab 2015 zurückgehen und altern. „Hinzu kommt, dass das globale Umfeld auf absehbare Zeit unsicher und sprunghaft bleiben wird, wodurch die Notwendigkeit für Veränderung noch größere Bedeutung gewinnt“, sagte Zoellick.
Die Studie warnt China vor einer „mittleren Einkommensfalle“, in der Einnahmen und Produktivität stagnieren, sobald die Einkünfte ein bestimmtes Niveau erreicht haben. Weitreichende Reformen hingegen könnten China in ein „Land mit hohem Einkommen“ verwandeln.
Den größten Reformdruck sieht die Weltbank bei den mächtigen staatseigenen Betrieben, die rund 50 Prozent des industriellen Vermögens besitzen. Privatwirtschaftliche Firmen Chinas klagen schon länger über mangelnde Chancengleichheit im Wettbewerb mit diesen Staatsbetrieben. Die Studie empfiehlt, Monopole aufzubrechen und kleineren und mittleren Betrieben den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern. Ding Yifan, Wirtschaftsforscher des an der Studie beteiligten Entwicklungsforschungszentrums des chinesischen Staatsrates, hat die Staatsunternehmen als Reformblockierer ausgemacht.

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