Wirtschaft : Chinas Regierungschef in Berlin: Wirtschaftliche Beziehungen sollen gestärkt werden

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Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Deutschland sollen an Schubkraft gewinnen. "Im Geschäft mit China gibt es ein großes Potenzial", sagte Friedolin Strack, Leiter des Asien-Bereichs beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. Da China bald in die Welthandelsorganisation (WTO) eintreten werde, komme der Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji genau zum richtigen Zeitpunkt.

Schon am ersten Tag des viertägigen Besuchs trafen der 71-jährige Zhu und seine Delegation in einem Berliner Hotel mit Vorstandschefs führender deutscher Konzerne zusammen. Dabei ging es um letzte Einzelheiten für Milliarden-Geschäfte, die beim Peking-Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder im vergangenen November vereinbart worden waren.

Unterzeichnet werden soll der Vertrag über einen Chemie-Komplex der BASF in Nanjing mit einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Mark. BASF-Chef Jürgen Strube sagte dem Tagesspiegel, er sei zuversichtlich, dass eine Einigung zustande komme. Auch der Konkurrent Bayer will in China groß investieren. Geplant ist ein großes Verbundprojekt in Schanghai mit einem Volumen von bis zu 3,1 US-Dollar Mark. Bisher liege dazu eine "Rahmenvereinbarung" vor, hieß es bei Bayer. Die Ruhrkohle rechnet mit dem Zuschlag für ein Großprojekt, um riesige Grubenbrände in chinesischen Bergwerken unter Kontrolle zu bringen.

Erwartet wird weiter, dass eine Vereinbarung über die zunächst nötige Studie zur Durchführbarkeit des Transrapid-Projekts in China unterzeichnet wird. Für den Transrapid ist eine 42 Kilometer lange Trasse für die Magnetschnellbahn vom Flughafen ins Zentrum von Schanghai ins Auge gefasst. Die Kosten für die Prüfung werden auf umgerechnet rund 1,5 Milliarden Mark geschätzt. Noch nicht abschließend geklärt ist, ob die deutsche Seite die Kosten übernimmt. Zhu will am Sonntag mit Verkehrsminister Reinhard Klimmt auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland eine Probefahrt unternehmen.

Daneben geht es bei der Visite aber auch um den Ausbau eines rechtsstaatlichen Systems in China, wie es in Berlin hieß.

Noch immer leiden Geschäfte mit China unter mangelnder Rechtssicherheit und zuviel Bürokratismus, wie Strack sagte. Gleichwohl habe China auch schon wichtige Reformschritte eingeleitet, die die deutsche Industrie weiter unterstützen wolle.

Ein wichtiger Impuls für weiteren Strukturwandel in der chinesischen Wirtschaft ist der WTO-Beitritt: Wenn China zum Jahresende 2000 oder Anfang 2001 der WTO beitritt, kann die chinesische Wirtschaft nicht nur mehr exportieren, sie muss sich auch dem globalen Wettbewerb stellen, sagt China-Experte Rainer Polster von der Deutschen Bank Research. Zwar gebe es noch für bestimmte Branchen in einer Übergangszeit Schutzvorkehrungen, aber die liefen auch einmal aus. Insgesamt jetzt zeichne sich - allein durch die Ankündigung des WTO-Beitritts - eine Zunahme des Handels und der Direktinvestitionen mit China ab. Dies ist umso erfreulicher, da die Direktinvestitionen in den vergangenen Jahren zurückgegangenen waren, wie China-Kenner Detlef Böhle vom DIHT sagt.

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