Wirtschaft : Chinas reichster Mann sitzt im Gefängnis

Die Behörden werfen ihm Aktienmanipulation vor

Peking - Er gilt als der reichste Mann Chinas. Doch jetzt sitzt der Milliardär Huang Guangyu in Haft. Die Ermittlungen wegen Aktienmanipulation, die vor einigen Tagen zu seiner Verhaftung führten, ziehen inzwischen weitere Kreise. Auch gegen seinen älteren Bruder Huang Junqin, der an der Spitze der Immobilienfirma Beijing Towercrest Group steht, werde wegen „Wirtschaftsverbrechen“ ermittelt, berichtete die Polizei nach Angaben amtlicher Medien vom Samstag. Die Brüder hatten seit Ende der 80er Jahre die größte chinesische Elektrowarenkette Gome aufgebaut, doch widmete sich Huang Junqin seit 1993 dem Immobiliengeschäft. Bereits 2006 war gegen beide Brüder wegen illegaler Kredite ermittelt worden, ohne dass es zur Anklage kam.

Zunächst war nicht ganz klar, weswegen Huang Guangyu jetzt eigentlich verhaftet worden war. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wirft ihm die chinesische Börsenaufsicht Aktienmanipulation vor. Genannt wurden die Unternehmen Sanlian Commercial Company und Beijing Centergate Technologies Company, Details wurden jedoch nicht mitgeteilt. Der Handel mit den Aktien von Gome war nach Bekanntwerden der Ermittlungen zu Wochenbeginn zwischenzeitlich ausgesetzt worden.

Bereits am Freitag wurde Huang Guangyu als Chef seiner Elektronikkette Gome durch einen Übergangschef ersetzt. Laut Xinhua laufen auch Ermittlungen gegen seinen Finanzchef Zhou Yafei, der ebenfalls abgelöst worden sei. Gome setzte eine Arbeitsgruppe ein, um die Auswirkungen des Falles auf die Geschäfte und Finanzlage der Elektronikkette zu untersuchen. Erste Prüfungen hätten „keine Beweise für Unterschlagung“ ergeben, hieß es.

Der 39-jährige Milliardär Huang Guangyu steht an der Spitze der diesjährigen Liste des bekannten Hunrun-Instituts der reichsten Chinesen. Sein Vermögen wird auf 43 Milliarden Yuan (umgerechnet fünf Milliarden Euro) geschätzt. Das US-Magazin „Forbes“ führt Huang Guangyu allerdings mit einem nur halb so großen Vermögen lediglich auf Platz zwei.

Die Elektronikkette Gome hat 300 000 Angestellte in 1300 Läden in mehr als 300 Städten in China. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres machte das Unternehmen einen Gewinn von 1,59 Milliarden Yuan (umgerechnet 180 Millionen Euro), ein Plus von 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar