Wirtschaft : Chinesen gehen auf Aufholjagd

Erster deutsch-chinesischer Managerkongress in Berlin/Deutschland wichtigster Handelspartner Chinas

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Berlin . Vor neun Jahren war Hans Joachim Körber, Vorsitzender des Vorstands der Metro AG, zum ersten Mal in China. Die andere Mentalität der Menschen in Shanghai beeindruckte ihn. Doch den Boom, den die Region erleben würde, konnte er damals noch nicht ahnen. Dort wo heute der Finanzdistrikt wächst, war damals nur eine unbebaute Flusslandschaft zu erkennen. Heute hat die Metro in China 18 Filialen mit 5000 Mitarbeitern. Der Umsatz wird für dieses Jahr auf rund 600 Millionen Euro beziffert.

Seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes hat China ökonomisch stark aufgeholt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Halbjahr 2003 um 8,2 Prozent, die Anlageinvestitionen stiegen um 32,7 Prozent. Die SarsKrise hat das Land überstanden. China will jetzt innerhalb der kommenden zehn Jahre zur größten Wirtschaft der Welt aufsteigen.

Die „Wirtschaftswoche“ nahm dies zum Anlass, Manager aus beiden Ländern zum ersten Deutsch-Chinesischem Wirtschaftskongress in Berlin einzuladen. Über zweihundert Manager kamen und tauschen von Mittwoch bis Freitag Erfahrungsberichte aus. „Volkswagen machte 1982 den Anfang und konnte seine Position in den vergangenen Jahren erheblich ausbauen“, sagt dazu Lloyd Xing Hong von der Brilliance China Automative Holding Ltd., einem in Deutschland ansässigen Unternehmen. „Heute will jeder ein Stück vom Kuchen.“

Deutschland ist im Moment Chinas wichtigster Handels- und Investitionspartner. Beide Nationen seien sich kulturell sehr nah, sagt Lloyd zur Erklärung.

Dem widerspricht Engelbert Boos, ehemaliger China-Chef von Mannesmann und Autor des Buches China Management Handbook: „Westliche Methoden lassen sich nur begrenzt auf chinesische Verhältnisse übertragen. Auf vertragliche Vereinbarungen ist in China nicht immer Verlass.“ Für Klaus Grimm, Leiter des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Beijing und Shanghai, sind es vor allem die Chinesen, die sich mit ihrer Flexibilität gut auf neue Umstände einstellen können: „Chinesen lernen schnell. Es gibt im Land einen stetig wachsenden Wettbewerb und einheimische Produzenten drängen inzwischen auch auf Märkte, die lange Zeit vom ausländischen Firmen dominiert wurden.“

Nur in einem sind sich die Wirtschaftsexperten einig: Es gibt zu wenig Deutsche, die Chinesisch sprechen. Nur wenige deutsche Studenten gehen nach China, es fehlt ein interessantes Angebot. Für die Chinesen widerum ist es schwierig, ein Visum für Deutschland zu bekommen, beklagt Lloyd. Trotz aller Probleme zieht Körber eine positive Bilanz und denkt weiter an Expansion. Allerdings hat die Metro in China zu 98 Prozent andere Waren im Sortiment als in Deutschland - lebende Schlangen und Frösche zu Beispiel. sök

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