Wirtschaft : Chinesen kaufen PC-Sparte von IBM

Lenovo zahlt 1,25 Milliarden Euro/Weitere Übernahmen in der Computerbranche erwartet/ Der Preisdruck auf die Hersteller steigt

Anselm Waldermann

Berlin - Nach dem Verkauf der PC- Sparte des Computerkonzerns IBM an die chinesische Lenovo Group wird sich der Preiskampf in der Branche verschärfen. Experten gehen davon aus, dass die Gewinnmargen der Hersteller fallen und dass weitere Übernahmen anstehen. „Von den zehn großen Anbietern wird es in wenigen Jahren nur noch vier oder fünf geben“, sagte Christoph Partisch, Analyst der Dresdner Bank, dem Tagesspiegel. Auch Axel Pols vom deutschen Branchenverband Bitkom bestätigt: „Die Konzentration wird zunehmen.“

Der chinesische Computerhersteller Lenovo wird das PC- und Laptop-Geschäft von IBM für 1,25 Milliarden Dollar (930 Millionen Euro) übernehmen. Dies gab Lenovo- Chef Liu Chuanzhi am Mittwoch in Peking bekannt. Lenovo zahlt 650 Millionen Dollar bar und 600 Millionen Dollar in Aktien, so dass IBM einen 18,9-prozentigen Anteil an dem chinesischen Unternehmen erhält. Außerdem übernimmt Lenovo IBM-Verbindlichkeiten in Höhe von 500 Millionen Dollar.

Lenovo darf fünf Jahre lang den Namen IBM nutzen und bekommt auch die Rechte an der Marke „Think“, die etwa die Notebooks schmückt. Durch die Übernahme steigt Lenovo zum weltweit drittgrößten Computerkonzern auf. Bisher stand IBM im PC-Geschäft mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent an dritter Stelle hinter Marktführer Dell mit 17 Prozent und Hewlett Packard (HP) mit 15 Prozent. Lenovo war mit zwei Prozent bislang die Nummer acht. In Asien ist Lenovo Marktführer, in China hält das Unternehmen einen Marktanteil von 27 Prozent. Der Umsatz wird künftig bei rund zwölf Milliarden Dollar pro Jahr liegen.

Bisher war Lenovo fast nur in China tätig. Beobachter gehen aber davon aus, dass das Unternehmen nun massiv auf die internationalen Märkte drängen wird. „Lenovo braucht dringend Wachstum außerhalb Chinas“, erklärte Michael Beyer-Enke, Analyst der Deka-Bank. In den vergangenen Monaten sei das Unternehmen in China bereits an seine Grenzen gestoßen.

Partisch von der Dresdner Bank stimmt dem zu: „Der weltweite Wettbewerb wird sich verstärken.“ Da aber bei der PC-Herstellung hohe Fixkosten – zum Beispiel für die Entwicklung – anfielen, könnten die Anbieter dem Preisdruck nur standhalten, wenn sie ihre Stückzahlen erhöhen. „Und das ist nur möglich über weitere Firmenzusammenschlüsse“, erklärte Partisch. Vor allem chinesische Partner kämen dafür in Frage. „Wer seine Marktanteile halten will, muss in China eine eigene Fabrik aufbauen oder sich dort einen Partner suchen“, sagte Partisch.

Einer Prognose des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge werden sich bis 2007 drei der zehn größten PC-Hersteller vom Markt zurückziehen. Vor allem die PC-Tochter von Hewlett Packard hält Gartner für gefährdet. Das Wachstum des PC-Markts werde sich von 11,3 Prozent in den Jahren 2003 bis 2005 auf 5,7 Prozent in den Jahren 2006 bis 2008 abschwächen.

Experten begrüßen es, dass sich IBM aus diesem Markt zurückzieht. „Das ist hervorragend für IBM“, sagte Partisch. Im Dienstleistungssegment, das IBM derzeit ausbaut, seien deutlich höhere Margen als im PC-Geschäft möglich. Daneben will sich IBM auf das Geschäft mit großen Firmenservern, Software und Computerchips konzentrieren.

Die Qualität der IBM-PCs werde unter der Regie von Lenovo nicht leiden, erwartet Partisch. „Die Chinesen verfügen über einige Erfahrung. Das sollte man nicht unterschätzen.“ Beyer-Enke sieht das ähnlich: „IBM verkauft ja nicht nur die Hülle, die Leute gehen alle mit.“ Lenovo will alle 10 000 Beschäftigten der IBM-PC-Sparte übernehmen.

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