Wirtschaft : Chinesen retten Saab

Die Hawtai Motor Group aus Peking will 150 Millionen Euro in Schweden investieren. Ab Donnerstag laufen die Bänder wieder

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Hand drauf. Spyker-Chef Victor Muller und Hawtai-Vizechef Richard Zhang besiegeln ihre Zusammenarbeit. Foto: Reuters
Hand drauf. Spyker-Chef Victor Muller und Hawtai-Vizechef Richard Zhang besiegeln ihre Zusammenarbeit. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Erleichterung bei den Saab-Mitarbeitern in Trollhättan. Das Hauptwerk des schwedischen Autoherstellers hat die Belegschaft für Donnerstag zurück an die Fertigungsbänder beordert. Vier Wochen lang stand die Produktion still. Spätestens Anfang kommender Woche soll sie wieder anlaufen.

Damit ist das Überleben der Kult-Automarke vorerst gesichert. Die chinesische Hawtai Motor Group will mittelfristig 150 Millionen Euro in Saab investieren. Kurzfristig will der Konzern mit Hauptsitz in Peking zudem 30 Millionen Euro zuschießen, um Saabs akute Zahlungsprobleme zu lösen. Das teilte der Eigentümer von Saab, der niederländische Sportwagenbauer Spyker, am Dienstag mit. Der Boykott wichtiger Zulieferer hatte zu dem Produktionsstopp geführt. Teilweise waren Rechnungen aus dem letzten Winter noch nicht bezahlt worden. Einige Lieferanten hatten kurz vor der Einigung mit Hawtai schon Forderungen zur Zwangseintreibung angemeldet.

Damit arbeitet jetzt schon der zweite schwedische Autobauer mit chinesischem Kapital. Hersteller Volvo ist seit dem vorigen Jahr eine hundertprozentige Tochter des Geely-Konzerns – und glänzt schon wieder mit schwarzen Zahlen.

Inwieweit die Chinesen bei Saab als aktive Teileigentümer agieren werden, blieb am Dienstag offen. Es handele sich um eine „strategische Partnerschaft“, hieß es. Der Hawtai-Konzern ist ein kleiner Autobauer mit nur zwei Produktionsstätten. Hergestellt werden vor allem Stadtjeeps. Bis 2007 war das Unternehmen abhängig von der Technik des südkoreanischen Herstellers Hyundai. Jetzt will Hawtai seine eigene Technikkompetenz weiter ausbauen. Insofern ist die nun angekündigte Zusammenarbeit wohl ein Austausch von Geld aus China gegen technisches Know-how aus Schweden.

Spyker- und Saab-Chef Victor Muller sieht in Hawtai einen „stabilen Partner“ für eine gesicherte Zukunft von Saab. Laut Muller soll „ein Dutzend“ chinesischer Autobauer an einer Beteiligung bei Saab Interesse gezeigt haben. Die Entscheidung sei auf Hawtai gefallen, weil der Konzern eine neue Fabrik für den Bau von Dieselmotoren habe und bereits mit dem italienischen Dieselmotorenbauer VM Motori kooperiere. Vor allem aber bietet Hawtai Saab einen Zugang zum wachsenden chinesischen Automarkt.

Auch Hawtai-Chef Richard Zhang begrüßte die Zusammenarbeit am Dienstag. Sie biete dem chinesischen Autobauer „einen Zugang zu innovativen Technologien und internationalen Netzwerken, wofür wir sonst Jahrzehnte benötigt hätten“, sagte Zhang.

Zu Beginn soll Hawtai vor allem als Verkaufskanal für Saab in China fungieren. Laut Informationen der schwedischen Zeitung „Dagens Industri“ soll Hawtai ab 2013 den neuen Saab 9-3 bauen. Die eigenen, chinesischen Modelle sollen laut Victor Muller jedoch in China bleiben. Der Saab-Chef kündigte aber an, auch im schwedischen Hauptwerk Trollhättan bald die Belegschaft zu vergrößern. Die Übereinkunft mit den Chinesen muss noch von der Europäischen Investierungsbank abgesegnet werden.

Nach einer gescheiterten Übernahme durch den schwedischen Luxussportwagenhersteller Koenigsegg hatte der Sportwagenhersteller Spyker Saab im Januar 2010 vom US-Autokonzern General Motors (GM) übernommen. Seitdem ging die Produktion stetig nach unten. Der Übernahme voraus gingen intensive Gespräche mit der schwedischen Regierung. GM hatte schon die endgültige Abwicklung von Saab beschlossen. Für den Verkauf zwang GM den mutmaßlich in illegale Geschäfte verwickelten russischen Milliardär und damaligen Spyker-Teileigentümer Vladimir Antanow, sich aus dem Saab-Geschäft herauszuhalten. Doch Antanow soll inzwischen wieder tief drinstecken. Zumindest inoffiziell soll er an der Zusammenarbeit mit den Chinesen mitbeteiligt gewesen sein. Nun hoffe er auf eine offizielle Beteiligung, schreibt die schwedische Internet-Wirtschaftszeitung E24. Schwedische Medien nennen das Hin und Her inzwischen nur noch die „Saab-Seifenoper.“

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