Wirtschaft : Chinesen wollen nach Ludwigsfelde

Tochter von Thyssen-Krupp steht vor dem Verkauf / Europaweit sind 5500 Beschäftigte betroffen

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Berlin - Die Verkaufspolitik des Thyssen-Krupp-Konzerns erreicht nun auch Ludwigsfelde bei Berlin. Das dortige Werk für Metallverarbeitung steht ebenso zum Verkauf wie andere Gesellschaften und Standorte aus der Sparte „Metal Forming“. Als Favorit wird ein chinesischer Konzern gehandelt. In Ludwigsfelde sind 350 Mitarbeiter betroffen, ein weiteres Werk in Bielefeld hat 1 400 Beschäftigte. Hinzu kommen noch Thyssen-Krupp-Tochtergesellschaften in Frankreich und England, sodass mit dem gesamten Bereich Metal Forming die Arbeitsplätze von 5500 Arbeitnehmern vor dem Verkauf stehen.

In Ludwigsfelde und Bielefeld werden Türen und Klappen für Autos gebaut sowie Stahltanks und Prototypen ganzer Karosserien. „Es gib im Moment Verhandlungen, mehr sagen wir dazu nicht“, gibt sich der Betriebsrat in Ludwigsfelde verschlossen. Die Belegschaft in der südlich von Berlin gelegenen Stadt hat schon schwere Jahre hinter sich. 2008 arbeiteten dort rund 500 Personen für Thyssen-Krupp, heute sind es noch 350.

„In den letzten Jahren haben wir den Unternehmensbereich umfangreich restrukturiert“, sagt Thyssen-Krupp-Sprecher Dieter Stamm dazu. „Jetzt suchen wir einen best owner, der das weiter entwickelt.“ Weil sich Thyssen-Krupp auf die Produktion von Flachstahl konzentriere, würden eben Randbereiche abgestoßen. Und dazu gehöre nunmal auch die Verarbeitung von Blechen. „Es gibt mehrere Interessenten für den Bereich“, sagte Stamm auf Anfrage, darunter sei auch ein chinesischer Investor.

Wie viele Bewerber tatsächlich Interesse haben an dem Bereich und bis wann das Verkaufsverfahren abgeschlossen sein soll, will Stamm nicht sagen. In der Branche wird aber ein Abschluss noch im laufenden Geschäftsjahr von Thyssen-Krupp erwartet, und das endet am 30. September.

Favorit ist offenbar ein chinesischer Stahlproduzent. „Unser Eindruck ist: Die wollen die chinesischen Autozulieferer mithilfe von Thyssen-Krupp weltmarktfähig machen“, mutmaßt Hermann von Schuckmann, IG- Metall-Chef von Ludwigsfelde, und wünscht sich eine politische Intervention. „In Frankreich würde der Präsident überlegen, ob man industriepolitisch eingreift und den Deal verbietet“, glaubt der Gewerkschafter. Angst um den Standort und die Arbeitsplätze hat er indes nicht. Das Werk in Ludwigsfelde arbeite profitabel, die Kurzarbeit sei inzwischen ausgelaufen. Und die dort gefertigten Pressbauteile würden von den europäischen Autoherstellern gebraucht, sodass auch eine Verlagerung gen Osten keinen Sinn ergebe.

Die gesamte Konzernsparte Metal Forming schreibt nach Angaben von Unternehmenssprecher Stamm schwarze Zahlen. Das wird bei der Festlegung des Verkaufspreises eine ordentliche Rolle spielen. Ebenso wie weitere Anbieter. Angeblich interessiert sich auch ein britischer Fonds für das Metal Forming. Doch das sei womöglich nur ein Alibiangebot, vermutet Schuckmann, wie von Thyssen-Krupp bestellt, um den Preis für die Chinesen nach oben zu treiben.

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