Wirtschaft : Chinesen wollen Volvo für drei Milliarden Euro

Stockholm - Es ist eigentlich ein Schnäppchenpreis. Für rund drei Milliarden Euro will der chinesische Autohersteller Chery zusammen mit weiteren Privatinvestoren dem angeschlagenen US- Konzern Ford die Volvo-Personenwagensparte abkaufen. Dies berichteten chinesische und schwedische Medien. Allerdings stecke das Übernahmeprojekt noch in der Anfangsphase. Der Konzern aus dem zentralchinesischen Wuhu sei gerade dabei, konkrete Finanzierungsgespräche mit Banken und privaten Kapitalgebern zu führen, schreibt das chinesische Wirtschaftsmagazin „Caijing“. Chery selbst dementierte den Bericht.

Schwedische Autoanalysten glauben, dass vor allem die Liquiditätsprobleme der Ford Motor Company dazu führen, dass das Unternehmen am Angebot der Chinesen interessiert sein könnte. So sind die Ford-Verkaufszahlen im Juni in den USA um 28 Prozent eingebrochen. Experten schätzen die Finanzlage wacklig ein. „Es gibt nur noch eine Sache, die Ford noch verscherbeln kann, nämlich Volvo“, schreibt die schwedische Fachzeitschrift „Auto, Motor & Sport“. Ford hatte bereits im April die britischen Töchter Jaguar und Land Rover an die indische Tata Motors verkauft.

Obwohl Ford Volvo-Pkw 1999 für rund 5,3 Milliarden Euro gekauft hat, könnte der Konzern drei Milliarden Euro akzeptieren, erwarten schwedische Analysten. Erst kürzlich wurde spekuliert, dass auch der chinesische Autohersteller Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC) Interesse an einer Übernahme haben könnte. SAIC hat bereits Teile des britischen Herstellers Rover aufgekauft. Zuletzt waren auch Gerüchte im Umlauf, dass Ford Verkaufsgespräche mit dem drittgrößten chinesischen Autohersteller Dongfeng Motor Group geführt hat.

Volvo stellt vor allem Autos der gehobenen Klasse her und hat große Absatzprobleme in den USA. Deshalb strich der Konzern kürzlich 2000 Stellen, davon 1200 in Schweden. Konzernchef Fredrik Arp sprach von einer „Anpassung an verschlechterte Marktbedingungen“ und nannte den niedrigen Dollar und hohe Rohstoffkosten als Hauptprobleme. Auch in Europa sei die Lage schwierig. Volvo habe daher im ersten Quartal knapp 97 Millionen Euro Verlust gemacht. Durch die Stellenstreichung sollen 425 Millionen Euro eingespart werden.

Chery ist einer der am schnellsten wachsenden Autohersteller. In China ist er die Nummer vier mit einer Produktion von etwa 400 000 Fahrzeugen. Gegründet wurde das Unternehmen 1997. Es ist im Staatsbesitz, soll aber privatisiert werden. Chery entwickelt zusammen mit Chrysler einen Kleinwagen. Zudem produziert das Unternehmen gemeinsam mit Fiat Autos und Motoren. anw

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