Wirtschaft : Chinesische Eröffnung

Drei Unternehmen erhöhen ihre Investitionen in Deutschland: Aber noch ist die Dimension überschaubar

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Wachsende Anlage. Maschinenbauer Sany hat 40 Millionen in Bedburg bei Köln investiert – 100 Millionen sollen es werden. Foto: p-a/dpa
Wachsende Anlage. Maschinenbauer Sany hat 40 Millionen in Bedburg bei Köln investiert – 100 Millionen sollen es werden. Foto:...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Eigentlich spricht Olaf Reus den Namen seiner Firma nicht richtig aus. „Hu-a-wai“ nennt der Direktor für Public Affairs seinen Arbeitgeber, dabei könnte ihm jeder Chinese sagen, dass er bei „Hua-wej“ arbeitet. „Ich spreche den Namen eben auf Deutsch aus, so wie unsere Kunden auch“, sagt Reus. Auch seinen Chef Lewis Xu nennt er konsequent Herrn „Ksu“, der Generaldirektor des Telekomunternehmens Huawei würde sich selber als Herr„Schu“ vorstellen.

Die Zahl deutscher Arbeitnehmer, die sich mit den Tücken der chinesischen Sprache auseinandersetzen muss, wird in Zukunft weiter zunehmen. Wie der chinesische Botschafter am Freitag in seiner Botschaft verkündete, betrug im Jahr 2010 die Summe der chinesischen Investitionen in Deutschland 1,23 Milliarden Euro. Das ist zwar im Vergleich zu den deutschen Investitionen in China mit knapp 13 Milliarden Euro ein geringerer Betrag. „Aber die Investitionen in Deutschland nehmen von Jahr zu Jahr zu“, sagte Botschafter Wu Hongbo. So habe es allein im Juli und im August 165,9 Millionen Euro Neuinvestitionen aus China in Deutschland gegeben.

Doch diese Investitionen werden nicht nur positiv gesehen. „Das Risiko für High-Tech-Deutschland ist groß“, schrieb der „Focus“. Technologien und Know-how würden in das Reich der Mitte abwandern, lautet die Befürchtung. Offenbar um diesen Bedenken entgegenzutreten, stellte die chinesische Botschaft am Freitag drei Beispiele heraus, die von einer positiven Zusammenarbeit zeugen.

Zum Beispiel das ostdeutsche Maschinenbauunternehmen Schiess. 2004 stand das Unternehmen aus Aschersleben kurz vor der Pleite, dann investierte die Shenyang Machine Tool Group (SYMTG) 20 Millionen Euro und versprach, sich langfristig zu engagieren. 2010 hatte sich der Umsatz auf 43,4 Millionen Euro vervierfacht. Auch durch die Akquisition von Schiess erhofft sich das chinesische Unternehmen, langfristig weltweit zum größten Werkzeugmaschinenbauer zu wachsen. Die Kombination aus chinesischer Fertigung und deutscher Technologie soll das ermöglichen.

Auch Huawei gilt als chinesisch-deutsches Vorzeigeprojekt. Die Telekomfirma beschäftigt inzwischen mehr als 1500 Mitarbeiter in seinen drei deutschen Unternehmen. Über 70 Prozent davon seien Deutsche, erklärt Generalmanager Lewis Xu. Warum aber kam seine Firma überhaupt? „Deutschland ist im Telekommunikationsbereich mit am weitesten entwickelt“, sagte der chinesische Manager. Außerdem sei die Nähe zu den drei großen Unternehmen Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica wichtig gewesen. Inzwischen unterstützt Huawei auch die Bundesregierung beim Ausbau des deutschen Breitbandnetzes.

Die größte Investition in Deutschland aber hat der Maschinenbauer Sany unternommen. Insgesamt will der Baumaschinenkonzern mehr als 100 Millionen Euro investieren. 40 Millionen Euro sind bereits am neuen Standort in Bedburg bei Köln verbuddelt, eine Produktionshalle, ein Bürogebäude und ein Hotel stehen. Ein Forschungs- und Entwicklungszentrum kommt noch hinzu. Bisher hat Sany in Deutschland 170 Mitarbeiter, davon sind 73 Prozent Deutsche. In fünf Jahren sollen 600 Mitarbeiter in Köln arbeiten, der Umsatz eine Milliarde Euro betragen. „Es besteht ein sehr großes Interesse an deutscher Effizienz und Technologie“ hat Burkhard Reuter, Betriebsdirektor bei Sany, festgestellt. „Dass die Chinesen hier sind, hat auch mit der besseren Erreichbarkeit der europäischen Märkte zu tun.“

Wu Hongbo hält diese Beispiele für geeignet, beiderseitige Vorurteile abzuschaffen. „Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede in der Zusammenarbeit“, sagte der chinesische Botschafter, „aber es sind keine unüberwindbaren“.

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