Chinesische Staatsbank ICBC : Börsengang soll 22 Milliarden Dollar bringen

Der für Freitag geplante Börsengang der chinesischen Staatsbank ICBC wird der mit Abstand größte in der Geschichte.

Hongkong/Schanghai - Die ICBC legte den Ausgabepreis der Papiere bei 0,39 US-Dollar am äußersten oberen Rand der festgesetzten Spanne fest, wie aus einer an der Hongkonger Börse veröffentlichten Erklärung hervorgeht. Damit dürfte der Börsengang aller Voraussicht nach 22 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) in die Kassen der drittgrößten staatlichen Bank in China spülen, mindestens aber 19,6 Milliarden Dollar. Den bisherigen Rekord hält der japanische Handykonzern NTT DoCoMo, dem sein Börsengang 1998 rund 18,4 Milliarden Dollar einbrachte.

Die ICBC Bank teilte in Schanghai mit, dass sie an der dortigen Börse knapp 15 Milliarden Papiere ausgeben will und damit zwei Milliarden mehr als ursprünglich beabsichtigt. Damit wird der Börsengang mindestens 19,6 Milliarden Dollar einbringen. Bei Analysten gilt als sicher, dass die ICBC auch in Hongkong, wo der Börsengang parallel stattfindet, eine Option auf eine Aktien-Mehrausgabe gebrauchen wird. Dort würde sie dann etwa 40,7 Milliarden Papiere und damit etwa fünf Milliarden mehr als ursprünglich beabsichtigt ausgeben. Dann würde der Gang aufs Parkett sogar 22 Milliarden Dollar einbringen.

Run auf Aktien

In den vergangenen Wochen hatte ein extremer Run auf die Aktien der Bank eingesetzt. Institutionelle Anleger zeichneten Papiere im Wert von 300 Milliarden Dollar, was gut 35 Mal über dem Angebot lag. Außerdem bemühten sich Millionen von Privatanlegern in ganz Asien um die Aktien. Sie zeichneten Anteile für 54,3 Milliarden Dollar, womit das Papier sogar 78 Mal mehr nachgefragt wurde als zur Verfügung stand. Zu den Interessenten gehörte unter anderem auch der reichste Mann Asiens, der Milliardär Li Ka-shing aus Hongkong. Die Investoren hoffen auf ihren Anteil am chinesischen Boom.

Analysten sagen für das ICBC-Papier nach dem Börsenstart einen Sprung von bis zu 20 Prozent voraus. Es wird deshalb damit gerechnet, dass viele Kleinanleger ihre Anteile am Freitag sofort zu Geld machen werden. Die Aktien chinesischer Banken sind für die Anleger seit einer Weile besonders interessant, weil China sich in den vergangenen Jahren stark um eine Sanierung seines Finanzsektors bemüht hatte. Früher waren die chinesischen Banken für ihre große Menge an faulen Krediten berüchtigt. Doch Experten warnen auch weiterhin, dass die Probleme der chinesischen Banken noch längst nicht vollständig gelöst sind. Auch der stellvertretende Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Wu Xiaoling, sagte, das Problem der faulen Kredite bleibe "riesig und schwierig".

Die ICBC ist die dritte der vier chinesischen Staatsbanken, die an die Börse geht. Zuvor hatten bereits die China Construction Bank und die Bank of China den Sprung aufs Parkett gewagt. Die ICBC bleibt nach der Teilprivatisierung weitgehend in Staatshand. In Deutschland konnten sich Anleger vor der Ausgabe der Papiere am 27. Oktober zunächst nicht um Aktien der ICBC bewerben. (tso/AFP)

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